ZDF-Hetzpropganda vs. „Killerspiele“

Am vergangenen Freitag sendete das ZDF im Format aspekte den Beitrag „Wie Kinder Spaß am Morden finden“, welcher unmittelbar in der Tradition gewisser Frontal21-Pamphlete stand und nach gewohntem Muster mit Pseudoargumenten operierte, die ich im Folgenden kurz (und polemisch, da mir mittlerweile die Muse abhanden geht, hierauf differenziert zu antworten) betrachten werde:

Schon vor Beginn des eigentlichen Beitrages wird ordentlich Stimmung gemacht, Daddeln als Phänomen des neuen deutschen Feindbildes (der von der Politik so vergeblich dementierten) Unterschicht dargestellt (wobei doch aktuelle Studien dazu was völlig anderes aussagen und den Durchschnittspieler völlig unterschiedlich von diesem Vorwurf ansiedeln), ein wunderbarer Vorwurf um weiter mit implizierten Negativkonnotationen zu operieren, die hier nun entstehen mögen.
 

Es fängt schon im ersten eigentlichen Beitragssatz an, bereits hier ist man unsäglich tendenziell und populistisch: „Wie Kinder Spaß am Morden finden“ lautet der Titel und einleitende Satz des Beitrages und „Bei sadistischen Computerspielen versagt der Jugendschutz“ stellt den offiziellen Untertitel dar, der direkt die Richtung klar macht. Aber was ist sadistisch (oder später: exzessiv oder ganz im Allgemeinen brutal, gewaltverherrlichend, grausam, abartig, pervers)? Antwort: Nichts und alles, es ist absolut subjektiv. Ist hier nicht nur wieder der sog. pornographische Blick tätig, den Florian Rötzer (Telepolis) diesen inquisitorischen Gewaltgegnern einst so treffend attestiert hat (und den auch die dahingehende Forschung stichhaltig beweisen konnte, da diese Personen meist ihre eigenen Ängste und Befürchtungen, ihre eigenen Interpretationen und ihre Unkenntnis bspw. in einem gewissen Genre zum non plus ultra erheben und auf alle anderen Mitmenschen projizieren), dass Verlaufen auf der Landkarte der Genre-Ikonographie? Eben weil man nicht rezipiert, wie ein großteil der Menschheit in einer vermeintlich liberalen, egalitären und aufgeklärten Gesellschaft, sondern wie der Agitator mit erhobenem Zeigefinger, der man nachweisbar auch ist, der  nur sieht, was er sehen will und nicht das, was andere sehen können, der einfach nicht reflektieren kann, um es klar heraus zu sagen. 
Meinungsmache über Meinungsmache folgt in diesem Beitrag: „Bewaffnet mit Motorsägen, Baseballschlägern, Schaufeln und Pistolen gegen Passanten, Rentner und Polizisten kämpfen – und das alles bei cooler Musik und mit schönen Frauen zusätzlich. Das ist das Erfolgsrezept des Computerspiels ‚GTA San Andreas'“… Hier wird der Kontext verzerrt, eine Möglichkeit zum Spielziel erklärt, unumstößlich zum Fakt erhoben um ein unwissendes Publikum für spätere Verbotsforderungen zu sensibilisieren. Ganz zu schweigen davon, dass hier Szenen der ungeschnittenen Importfassung gezeigt wurden und man bewußt verschwieg, dass die deutsche Version gar übelst der Zensurschere zum Opfer fiel (denn die Erwähnung der Zensur hätte ja durchaus das potential, dass in diesem Beitrag das als zu lasch kritisierte Jugendmedienschutzsystemd er BRD als in Wahrheit viel zu strang zu entlarven).Und ja, es ist skandalös, Meinungsäußerungen wie die von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) z.B., die durch Nicht- und Falschkenntnis und Engstirnigkeit par excellence glänzen, da wird dann z.B. schon mal eine Altersklassifikation als „Gütesiegel“ deklariert, aber nach dieser Logik müßte doch ein Totalverbot das non plus ultra der Güteversicherung darstellen und sollte tunlichst zu vermeiden sein (wobei angemerkt sei, dass sich bspw. USK und BPjM und der Gesetzgeber durchaus vollkommen bewußt sind, dass höhere Altersklassfikationen oder gar das ausbleiben einer solchen Klassifikation und die Indizierung ein hohes Werbepotential haben, Verbote reizen einfach und sind hier shclichtweg kontraproduktiv). Aber nein, Hinterfragen ist nicht gefragt…
Und wieso wird hier behauptet, es sei „völlig klar, dass da etwas schief läuft“, wenn GTA:SA die Altersklassifikation „Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG“ erhält?
Klar ist das nur für denjenigen, der entweder keine Ahnung von der Materie hat (sprich: z.B. den Erkenntnissen der Wirkungsforschung) oder seine subjektive Meinung über passende Altersfreigaben zur Allgemeinwahrheit erhebt,  wobei in diesem Fall höchstwahrscheinlich beides der Fall ist.
Ja und „In anderen Spielen, die im Handel frei erhältlich sind, heißt es: ‚Bereite dich auf unsagbare Schmerzen vor‘, ‚verwende stachelumwickelte Baseballschläger‘, ‚Was weißt Du über Dich, wenn Du Dich noch nie geprügelt hast‘. Ein anderer Spielhersteller wirbt auf der Verpackung mit ‚Schockierende Röntgen-Aufnahmen bei Knochenbrüchen‘ und ‚extrem realistische Kampfverletzungen‘. Trotz derlei virtuellen Gewaltexzessen können auch solche Spiele in deutschen Kaufhäusern vermarktet werden.“ Anm.: Dabei handelt es sich übrigens um das in ZDF-Formaten oft Erwähnte – aber irgendwie nur unglaublich schwer aufzutreibende, weil einfach miserable – Backyard Wrestling und um Fight Club. Jaaa skandalös… skandalös ist es, hier aus dem Kontext gerissene Werbetexte von Spielepackungen zu nehmen und anhand dessen von Gewaltexzessen zu reden und deren Vermarktung anzuprangern. Auch skandalös, weil der Satz „Was weißt Du über Dich, wenn Du Dich noch nie geprügelt hast“ ein astreines Fight Club Zitat ist, das auch als solches auf der Packung des dazugehörigen Spieles deutlich gemacht wird…Es ist von einer „Flut von Gewaltspielen“ die Rede, wer sich aber mal die entsprechenden Zahlen anguckt, wie gering der Anteil an Spielen ist, die Jugendlichen regulär nach deutschem Recht nicht in die Hände fallen sollten (ca. 4-5 %, wobei indizierte oder beschlagnahmte Titel gar in den Promillebereich fallen), sieht diese Aussage klar widerlegt, aber halt: Gerade diese ach so lasche Altersklassifikationshandhabe der USK wird ja angeprangert…„‚Da sind die Innenminister gefordert, nach vorne zu gehen. Wir haben uns geeinigt, wir wollen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen Nachweise führen, dass die USK hier falsch gehandelt hat, und dann aber gleich den Auftrag erteilen, ‚was sind Killerspiele?‘ – dann wollen wir Formulierungen haben für ein Herstellungsverbot und ein Verbreitungsverbot.‘
Glücklicherweise wurde diesem unterfangen unlängst ein gewaltiger Riegel vorgeschoben wurde (wie hier im BLog zu lesen war), trotzdem wird hier weiter rumgequakt, der Profilierung zu Gunsten. Mal abgesehen davon freue ich mich auf die Definition eines „Killerspiels“ (ein unerträglich pejorativer Begriff`), freue mich auf eine abzuhakende Liste mit genau festgeschriebener Blutmenge, abgetrennten Körperteilen, Blauen Flecken, der Anzahl und Art von Schimpfwörtern usw. usf. Wozu noch darauf achten, wie vermeintliche Gewaltdarstellungen in einen Kontext eingebettet wurden, immerhin kann man ja die Mutmaßung vorhalten, dass 2 abgetrennte Körperteile immer schlimmer seien als nur eines und 2 Liter Blut schlimmer als ein halber, gell…
Und wenn diese ganzen ignoranten CDUler (erstaunlich, alles übel kommt von da und den Kameraden, die ihr D durch ein S ersetzt haben) von einem „Wertezerfall“ spricht, dann verkneif ich mir jetzt einfach mal einen kritischen Blick auf gewünschte Werte eben jener Herren (man Denke sich nur das scheppernde Glashaus), was ja auch ein anderes Thema darstellen würde, genauso wie vermeintlicher (wohl nur schwerlich nachweisbarer) Wertezerfall und Daddeln 2 völlig differenzierte Themenkomplexe sind, aber für manch einen scheint es da ja einen Zusammenhang zu geben.

„Holger Hövelmann (SPD) aus Sachsen Anhalt kritisiert: ‚Es ist schon erschreckend, dass die Selbstkontrollmechanismen in diesem Umfang, wie wir uns das alle wünschen, nicht funktionieren.‘
Ja was verlagen diese Menschen eigentlich? Eine Quote? Von XX geprüften Spielen müssen X „Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG“ bekommen oder besser überhaupt kein Prüfsiegel oder noch besser direkt indiziert werden (mit nachfolgender Beschlagnahmung)? Eine Pauschalforderung nach mehr Verboten? Mein Gott… was für Trottel… ja, dass muss hier auch mal so gesagt werden, klar heraus: Trottel. Es geht halt nicht immer sachlich, wenn man sich ob der Inkompetenz von offensichtlichen Entscheidungsträgern aufregen muss.

„Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann spricht sich für eine Umstrukturierung des Jugendschutzes aus. Schünemann: ‚Das gehört auf jeden Fall in staatliche Hände, das muss von den Jugendministern in Zukunft anders organisiert werden, die USK kann das in Zukunft sicherlich nicht machen.'“ Wie kann eigentlich die Meinung eines Menschen, der sich so offensichtlich durch eklatante Nichtkenntnis dessen, über das er berichtet, Beachtung finden? Die USK ist de facto unter staatlicher Kontrolle und kein unabhängiger Verein, der agiert wie er lustig ist (sondern darüber hinaus ist er an das JuSchG gebunden). Man sollte sich mal genauer mit den Strukturen, eEchanismen, Phänomenen whatever auseinandersetzen, die man anfängt zu kritisieren, sobald R. Fromm samt Team einen mit der Kamera anfunzelt und damit zu einer möglichst populistischen Stellungnahme nötigt. Schnell sind da dann Pauschalantworten fertig, die Handlungen versprechen, so kann man sich immer am besten profilieren… 

Und jaaa, der Herr Pfeiffer ist mal wieder mit von der Partie, ein Inquisitor der Neuzeit durch und durch, der einen echt an der Qualität akademischer Grade zweifeln läßt. Diesmal hat man sich wohl Spitzer und Lukesch ausgespart (Glogauer ist wahrscheinlich schon abgenippelt). Über den Mann muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, er hat halt keine Ahnung von dem, was er macht, hatte er nie und wird er nie haben. Er ist unseriös, wirft mit Korrelationen um sich, deren Korrelationsfaktor gleich null ist, aber das muss man ja nicht erwähnen, geschweige denn darauf aufmerksam machen, dass somit auch der Aussagegehalt zu deisen Zusammenhängen gleich null ist… könnte auch an den unpassenden Variablen und den mehr als ungenügenden Experimentdesigns liegen. Wahrscheinlicher ist aber, dass seine „Forschungsergebnisse“ deshalb unbrauchbar sind, weil heir nicht wissenschaftlich vorgegangen wird und Pfeiffers subjektiver Dummfug bereits im Vorfeld als Forschungsergebnis feststeht. Interessant übrigens: Die besagten Frontal21-Berichte basierten u.a. auf Hetzen von herrn PFeiffer und Kollegen, diese Beiträge führten zu massiven Reaktionen gewisser CDU/CSU-Agitatoren, die Konsequenzen fordern und sich dazu (also zur Untermauerung ihres Vorhabens mit Pseudoargumenten) wieder an Herrn Pfeiffer wenden… bizarr… Das die werten Herren hier natürlich die Argumentationsgrundlagen geliefert bekommen, die sie wollen, ist klar, nur hält diese vermeintlich wissenschaftlich fundierte Argumentation dann keine 2 Minuten im Kreuzfeuer seriöser Wissenschaftler aus.In Sachen Inkompetenz kaum zu überbieten sind Aussagen wie diese: „Projektleiter Prof. Dr. Christian Pfeiffer sieht in zahlreichen Spielen ‚das Prinzip der Menschenwürde nach Artikel 1 Grundgesetz verletzt.‘
Kann mir das mal jemand erklären? Ist die Menschenwürde der Spieler verletzt? Nein, diese Interpretation wäre abwegig (also für Pfeiffer denkbar), mal abgesehen davon, dass niemand spielen muss. Was bleibt dann? Nein.. das kann nicht sein… Pfeiffer meint doch nicht wirklich… wirklich… das Videospielfiguren eine Menschenwürde hätten? OMFG…
Und was sollen uns solche Textpassagen sagen?
„Bereits die ersten Untersuchungsbefunde dokumentieren eine problematische Beurteilungspraxis der USK. Pfeiffer: ‚Bereits das Spielen der ersten zwanzig Spiele, die wir überprüft haben, weckt bei uns massive Zweifel, ob das System funktioniert. Bei einigen Spielen würden wir sagen ‚für den Markt überhaupt nicht geeignet‘, bei anderen würden wir höhere Alterseinstufungen empfehlen.'“
Ja und? Ich würde niedrigere Alterseinstufungen für fast alle Spiele empfehlen… so what? Was will Pfeiffer damit vermitteln, dass er das objektiver beurteilen könnte, welche Klassifikation geeigneter wäre? Kann er eben nicht, ersten ist er dazu zu inkompetent, zweitens gibt es keien Belege aus der Wirkungsforschung, die ein Altersklassifikationssystem überhaupt stützen köntnen und drittens ist es eine bewiesenermaßen absolut subjektive, individuelle und von unendlich vielen Faktoren abhängige Sache, wie welcher Inhalt auf wen wirkt etc. Natürlich funktioniert das System so nicht, wie es ist, es ist zu streng!
Und jetzt kommen wir zu einem meiner Libelingspseudoargumentationspunkte bei diesem Thema, der subjektiv verzerrten, schriftlichen Darstellung eines Inhaltes in möglichst malerischen Worten, um wieder das unwissende publikum für Verbote zu sensibilisieren: „Prof. Dr. Christian Pfeiffer weiter: ‚Wir sehen zum Beispiel in einem Spiel, dass der Spieler in die Rolle kommt, einer Frau von hinten das Messer durch den Hals zu ziehen, dann bricht sie zusammen, und eine Blutlache breitet sich aus oder eine Frau mit einer Schaufel zu erschlagen, wüstes Geschrei, und dann liegt sie in ihrem Blut … und dann sieht man Tote, und das Blut breitet sich aus.‘
Mit diesen Worten könnte man auch eine x-beliebige Tatort-Folge oder Pablo Picassos Guernica beschreiben. Es sagt absolut NICHTS über den beschriebenen Inhalt aus, nur über den Beschreibenden, sprich: Wir erleben hier einen seeehr tiefen Blick in die Wirren Gedanken des Herrn Pfeiffer…

Und es war ja klar, dass mal wieder Rainer Fromm seine Hände im Spiel hat, die Personifizierung unseriösen, tendenziellen „Journalismus“ (wenn man diese medialen Pamphlete noch so nennen kann, was ich ganz klar bestreite), Verteidiger des den Deutschen liebsten Wortes: VERBOT! 
Aber wie sollte es auch anders sein, hat bei ihm ja schliesslich Tradition. Und es zeigt mal wieder, daß man mit (bewußtem) Unwissen, Meinungsmache und blanker Hetze Geld machen kann… trauriges Land… und das ganze ist nebenbei noch ein Argument mehr gegen die GEZ.

Hach.. ich hasse diese Land…
Link:

„Wie Kinder Spaß am Morden finden“ (youtube)

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