Statement: Todesstrafe für Saddam Hussein

 

Saddam Hussein wurde zum Tod durch den Strang verurteilt…

Prinzipiell befürworte ich die Todesstrafe (ohne hier auf das Pro und Contra eingehen zu wollen, da dies definitiv den angemessenen Rahmen dieses Statements sprengen würde und erfahrungsgemäß nur eine geringe Aussicht auf eine Annäherung der beiden Extrema im pluralen Diskurs besteht), im speziellen Fall S.Husseins stehe ich der Todesstrafe jedoch kritisch bis ablehnend gegenüber (und spreche mich nicht gänzlich von unten attestierten Effekten frei):

 

Zum einen war S.Hussein „legitimer“ Souverän des Iraks (ohne hier Fragen nach Machterlangung und –erhalt beantworten zu wollen) und meine partiell hobbesche Perspektive kritisiert die Art und Weise seines Souveränitätsverlust, inkl. der entsprechenden Konsequenzen für ihn (wobei mein ebenso vorhandenes demokratisches Verständnis die genauen Umstände teils befürwortet, da simplifiziert gesagt eklatante Missstände durch die Bevölkerung – und eingeschränkt auch Aussenstehende – nicht folgenlos hinzunehmen sind),

 

Zum anderen machte S.Hussein in Gefangenschaft einen wortwörtlich mitleidserregenden Eindruck, eine Exekution ist hier definitiv kontraproduktiv, zumindest für diejenigen, welche nie direkt von ihm negativ tangiert wurden und daher ein eher distanziertes, nur durch die Medienwirklichkeit vermitteltes Verhältnis zu ihm haben. Durch Film und Fernsehen wurde ein nahezu sympathisches Stellvertreterbild von ihm geschaffen, dass durchaus mit seiner realen Inkarnation (die ebenso vermittelt wurde) konkurrieren mag, doch durch die Distanz relativiert sich so oder so wohl die allgemeine Position zu ihm. Man sieht ein Medienprodukt und je nachdem, wie die Rezeptionspräferenzen lagen, fallen die tatsächlichen Sympathien aus, wobei die mitleidige Präsentation der Gefangenschaft des S.Hussein zu einer erweiterten Tendenz hin zu einer für ihn sympathiegünstigen Verzerrung führen könnte: Einer positiven Erinnerung an ihn, bzw. einer post mortalen Vermarktung als quasi „Märtyrer“ kommt dies nur gelegen (wobei natürlich auch bei lebenslanger Haftstrafe ein Symbolcharakter nicht ausbleibt). Die unvollständig wirkende, allenfalls sporadische Medienpräsenz des Prozesses selbst (zumindest in den deutschen, respektive den westlichen Medien) komplettiert diese Überlegung nur noch.

 

Insgesamt wirkt die Strafe auch unangemessen im Sinne eines Tatenausgleiches, da der Exitus hier eine entgültige Verantwortungs- und Rechenschaftsentziehung, eine vorschnelle Beendigung des Themas darstellt und somit auch nicht ansatzweise ein gesellschaftlicher Ausgleich für S.Husseins Taten erfolgt (sofern überhaupt möglich), geschweige denn eine allgemeine Aufarbeitung. Ob das Todesurteil hier als symbolisch eindrucksvolles Ende der Ära S.Husseins tatsächlich dienlich sein kann, bleibt zweifelhaft, insbesondere angesichts der nach wie vor bestenfalls desolaten Situation im Irak…

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s