Der Weiße Zwerg wird alt… oder: Qualitätsverluste des White Dwarf Magazins

Ahoi Folks,

Nun dürfte es den meisten Lesern ja aufgefallen sein, dass die letzten paar Ausgaben des WD stark an Qualität verloren haben. Tatsächlich stehe ich wohl nicht alleine mit dem Gedanken da, dass unser allseits geliebtes Hobbymagazin geradezu nutzlos geworden ist. Die letzte brauchbare Ausgabe stellte die Nr. 125, seitdem geht es rapide bergab, wenngleich auch zuvor Qualitätsminderungen überdeutlich waren. Schuld scheint vor allem auch die Internationalisierung des Hauptteils zu sein, denn gerade der Hauptteil ist schlichtweg nicht zu genießen: Werbung und Selbstbeweihräucherung haben die Überhand in diesem unübersichtlichen Wirrwarr gewonnen. Traurig aber wahr. Vorbei scheinen die Zeiten exklusiver, qualitativ hochwertiger Artikel. Verloren sind die Meilensteine, die den WD kurzzeitig an die Spitze der Hobbymagazine hievten. Doch was kann man dagegen tun? Ich habe aus diesen Gründen ein mal meine eigenen Vorstellungen eines guten WD zusammengestellt, wie er absoluter Standard sein sollte. Denn auf kurz oder lang wird die derzeitige WD-Qualität nicht nur mich als Kunden verprellen, ca. 6 € für reine Reklame ist dann doch etwas happig… Also, im Folgenden werde ich zuerst darstellen, wie ein optimaler WD aufgebaut sein sollte, woraufhin ich dann die einzelnen Punkte näher Erläutern werde.

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Beginnen wir mit dem, was ich „Einleitungsteil“ nenne, dabei sollte der Teil in dieser Reihenfolge gegliedert sein (bzw. ist es sogar bereits):

1. Das Cover:

Dazu muss man wohl nicht viel sagen, die Frontcovergestaltung geht ohne Probleme so durch, kann also so bleiben. Man könnte höchstens noch etwas deutlicher auflisten, was einen im Inneren erwartet, ist aber prinzipiell nur ein gut gemeinter Vorschlag.

2. Das Editorial:

Kann im Grunde auch so bleiben. Also eine Seite Leserbegrüßung inkl. ein paar warmer Worte reichen durchweg aus, egal ob sie nun von Grombrindal (dem weißen Zwerg) oder Maik kommen, Hauptsache es bleibt einem später im Heft eine Art zweites Editiorial des deutschen Redaktionsteils erspart bleibt. Das heißt im Klartext, dass die Internationalisierung des WD in dieser Art absoluter Humbug ist. Nebenbei kann man hier im übrigen auch gleich das Impressum unterbringen, also genau so, wie es bereits gehandhabt wird.

3. Das Inhaltsverzeichnis:

In den letzten Tagen des noch nicht internationalisierten WD gab es in der dt. Ausgabe eine wunderbare Gliederung des Inhaltsverzeichnisses nach Spielsystemen. Diese gilt es wiederherzustellen, d.h.: Das Inhaltsverzeichnis ist in drei Blöcke unterteilt, einer für jedes der drei Hauptsysteme und in jedem WD in der gleichen Reihenfolge (z.B.: WHFB, WH40K u. dHdR). Dabei sind die Blöcke klar voneinander abgetrennt (z.B. durch farbliche Markierungen u./o. entsprechende Systemüberschriften etc.). Sowohl im Vorfeld, als auch im Anschluss davon werden natürlich auch die obligatorischen Magazininhalte im Inhaltsverzeichnis gelistet. Wie genau ich mir dies vorstelle, wird später dargestellt.

4. Die Neuerscheinungen:

Dies ist natürlich ein reiner Reklameteil (und irgendwie zugleich eine Art Schaukasten). Doch statt sich wie bisher stetig der Marke von zwei Dutzend Seiten an Eigenwerbung zu nähern (was den Lesespaß immens trübt), gilt es hier enorm zu rationalisieren. Vorschlag: Jedes System bekommt (in der Reihenfolge, wie es im Heft erscheint) genau 1 (bis max. 2 Seiten) für die Neuerscheinungen (selbst wenn sie dafür von Bilddarstellungen auf pure Auflistungen zurückgreifen müssen). Abschließend eine Seite mit Neuerscheinungen der Black Library geht durchaus in Ordnung (vgl. WD 129 S.20). Auch je eine Extraseite für Forge World oder die Spezialist Systeme ist machbar, mehr muss aber wirklich nicht sein!

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Nach dem Einleitungsteil kommt der „Hauptteil“, in dem jedes der 3 Hauptsysteme nach und nach (wie gesagt: Immer in der gleichen Reihenfolge und gleich durchstrukturiert) behandelt wird. Prinzipiell ist jeder Systemteil dabei nach dem gleichen Prinzip gestaltet (wenngleich sich natürlich die Artikelnamen für die obligatorischen Inhalte unterscheiden). Dies sollte folgendermaßen gehandhabt werden:

1. Die systemeigenen Neuerscheinungsvorstellungen:

Hier können einzelne Neuerscheinungen genauer unter die Lupe genommen werden, sollte dies relevant erscheinen (z.B. Vor- und Nachteile neuer Einheiten, taktische Möglichkeiten etc.). Dies sollte aber überdeutlich über dem bisherigen Niveau geschehen, d.h. also: Statt viele Seiten mit wenigen, dafür riesengroßen Bildern zu füllen, welche von Eigenlob umrahmt werden, muss man sich auf alte Qualitäten besinnen. Empfehlenswert wären Einbindungen in exklusive Kurzgeschichten (vgl. die Geschichte zum Erscheinen des neuen Rhinos im WD 76 auf S.53) o.ä.

2. Der Fluff-… äh… Hintergrundteil:

Hier lag imo immer die große Stärke alter WD-Ausgaben, im exklusiven Hintergrundmaterial (und mit exklusiv meine ich exklusiv, also keine Romanfragmente der Black Library oder bereits zig mal verwendete Geschichten). Ich meine damit explizit so herausragende Artikel wie jene des Index Astartes / Index Xenos (nur bitte nicht so abgespeckt, wie der des vergangenen WD 128 über Eldar Ranger), technische Panzerbaupläne oder Regimentsgeschichten der Imperialen Armee bei WH40K usw. usf. Prinzipiell denkbar wären solche und weitere ähnliche Artikel für WH40K (also technische Zeichnungen von Waffen, Fahrzeugen und Rüstungen, Index Astartes u. Index Xenos Artikel, Inquisitionsberichte über Mutanten und Verräterlegionen o.ä., einzigartige Hintergrundgeschichten, welche sich sonst nirgendwo finden lassen, Regimentsdarstellungen, Weltenbeschreibungen und was sonst noch alles). Aber natürlich ist so etwas auch für WHFB und dHdR denkbar, nein unbedingt erforderlich sogar. Hier bieten sich ähnliche Möglichkeiten, wie bei WH40K, z.B. Bestiarien und umfangreiche Kreaturbeschreibungen, Stamm- und Volksgruppenvorstellungen, Landschafts- und Königreichbeschreibungen, detaillierte Darstellungen magischer Waffen/Artfekate und von Kriegs- u. Belagerungsgerät usw. usf. Die Möglichkeiten für den Hintergrundteil sind quasi endlos, Hauptsache ist, dass es sich um exklusiven, guten Inhalt handelt!

3. Die exklusiven Regeln:

Wenn man den WD liest, dann möchte man nichts aufgewärmtes präsentiert bekommen, nichts schon mal gelesenes. Man möchte etwas neues erfahren. Was bietet sich mehr an, als im WD exklusive Regeln zu präsentieren? Seien es nun Regeln für Belagerungen, neue Goblinarten, Zombiepiraten, neue Söldnerregimenter oder z.B. Seeschlachten bei WHFB (wie im WD 124 u. 125) oder aber außerirdisches Viehzeugs, Blutpaktarmeen und Kämpfe im schwerelosen Raum o.ä. bei WH40K, nicht zu vergessen ähnliche Inhalte für dHdR, alles ist möglich und gehört in den WD. Hauptsache es ist neu und bereichert das Hobby. Am besten jedoch verwebt man auch das gekonnt mit Hintergrundinformationen.

4. Die Regelklarstellungen und –ergänzungen:

Wo wir schon bei Regeln sind, könnte nachfolgend (bei bedarf) an den Exklusivregelteil ein FAQ gehangen werden (wie das alte In Nomine Imperatoris für WH40K). Denn seien wir mal ehrlich: Fehlerlos ist keines der Systeme, regelmäßige Nahbesserungen und Ergänzungen sind nahezu Pflicht, dafür kann man Platz entbehren.

5. Die Bemal- und Basteltipps:

So ziemlich das schlimmste an allen WD-Ausgaben sind die regelmäßigen Bemal und Basteltipps. Hier steht seit Jahren immer wieder das gleiche und man verschwendet etliche Seiten für eine geringe Zahl überformatiger Bilder mit minimalsten Erklärungsansätzen. Wenn schon, dann richtig. Mir ist klar, dass dies elementarer Bestandteil des WD ist und wohl nie verschwinden wird, aber wenn, dann sollte der Teil auch auf höchstem Niveau gehalten werden. Ein gutes Beispiel dafür, wie man es machen sollte, bietet der aktuelle „Meisterklasse Malworkshop“ im Umfeld des Golden Demons (zu finden im aktuellsten WD, also Nr. 129, S.104ff.). Mindestvoraussetzung ist diese Qualität als Standard… oder man streicht die Bemal- und Basteltipps komplett (letztere empfehlen sich auch nur für Umbauten). Im geringen Maße kann das ganze auch zugleich als Schaukasten dienen, womit der überflüssige ’Eavy Metal Meisterklassenpräsentationsteil restlos gestrichen werden kann.

6. Die Schlachtenberichte:

Auch die werden sich wohl nie aus dem WD tilgen lassen. Doch hier sollte darauf geachtet werden, dass sie Regelkonform sind (all zu oft finden sich Situationen in den berichten, die bei korrekter Regeleinhaltung so nicht hätten entstehen dürfen). Denkbar wäre hier auch eine Demonstration der Regeln aus dem Exklusivregelteil oder Kämpfe mit exklusiven Einheiten aus dem Forgeworld-Sortiment etc. Wichtig ist nur, dass die Schlachtenberichte spannend sind, also wie Geschichten erzählt werden, einen Storyanfang und ein Storyende haben und vielleicht in einen größeren Kontext gestellt werden.

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Daraufhin sollte der obligatorische „Schlussteil“ folgen, welcher jetzt stark gestaucht wird (genau wie der Einleitungsteil), aber größtenteils so bleiben kann wie bislang und dabei immer gleich geartet ist (und zwar folgendermaßen):

1. Die GW Hobbyclubs:

Prinzipiell kann der Teil so bleiben, wie er ist, eine gute Sache. Gekrönt wird das ganze von der Vorstellung des jeweiligen Moscha des Monats. Daumen hoch!

2. Die Warpzone:

Eine Seite für die Warpzone im Anschluss an die GW Hobbyclubliste reicht auch vollkommen aus. Hier wäre aber auch noch genügend Platz für die internen Veranstaltungen der GW-Shops selbst.

3. Die GW Hobbyzentren:

Naja, ohne viele Worte kann man auch das so lassen…

4. Der Mail Order Troll:

Hier kann man wieder massig Platz für wichtigeres Sparen. Statt zu den etlichen Seiten Eigenwerbung zu beginn des Heftes hier noch mal unverhohlene Reklame zu präsentieren, reicht folgendes: Gebt dem Troll ½ – 1 Seite, um sich auszudrücken und seine Angebote anzupreisen (inkl. der Öffnungszeiten etc.), zzgl. Einer weiteren einseitigen Anzeige mit den aktuellen monatsangeboten. Auch hier müssen wahrlich keine übergroßen Bilder der Artikel über viele Seiten hinweg erfolgen. Ein kurzer Listenvermerk und ein Verweis an das Internetangebot reicht doch vollkommen aus, danke…

5. Die Abonnement-Anzeige:

Und wieder, lasst die eine Seite einfach so!

6. Die WD-Vorschau:

Ja, statt bislang den Abobogen den Abschluss bilden zu lassen, sollte an dessen Stelle die Vorschau auf den nächsten WD rücken.

7. Das Backcover:

Packt ein schönes Bild drauf und gut ist, kein weiterer Kommentar.

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Nun, das wäre ein perfekter WD, so wie er sein sollte, sein muss und eigentlich ohne weiteres auch sein könnte. Um das noch mal zu verdeutlichen stelle ich mal den geballten Inhalt eines fiktiven WD dar, wie er sicht tatsächlich gestalten könnte. Wichtig ist, dass durch die rapide Straffung unnutzer Werbung und Verdichtung brauchbaren Inhalts ein wesentlich besseres Produkt zu Stande kommt. Etwas, was nicht nur die Leser erfreuen sollte, sondern auch den WD avancieren lassen würde… aber nunja, hier der WD, so wie ich ihn mir Vorstelle (der Reihe nach, Seite für Seite), beginnend mit dem Inhaltsverzeichnis (sprich: Es folgt eine Darstellung des Inhaltsverzeichnisses auf Seite 3, wenn man davon ausgeht, dass das Cover die erste Seite und das Editorial inkl. Impressum die zweite Seite darstellt), dabei wird von einer größtmöglichen Anzahl von Neuerscheinungen für alle Systeme und massig Veranstaltungen ausgegangen:

(S.4-8 = Neuerscheinungen)

S.4 Neuerscheinungen WHFB

S.5 Neuerscheinungen WH40K

S.6 Neuerscheinungen dHdR

S.7 Neuerscheinungen Forgeworld

S.8. Neuerscheinungen Spezialisten Systeme

S.9 Neuerscheinungen Black Library

(S.10-40 = WHFB-Teil)

S.10-11 Systemeigene (WHFB) Neuerscheinungsvorstellungen

S.12-13 Technischer Bauplan: Der imperiale Dampfpanzer (Hintergrundteil)

S.14-19 Geschichte: Skaven in Khemri (Hintergrundteil)

S.20-26 Krieg unter Tage: Belagerungen von Zwergenbingen (Exklusivregeln)

S.27-29 FAQ (Regelklarstellungen und –ergänzungen)

S.30-33 Bemal- & Basteltipps

S.34-40 Schlachtbericht

(S.41-78 = WH40K-Teil)

S.41-43 Systemeigene (WH40K) Neuerscheinungsvorstellungen

S.44-49 Index Xenos: Hrud (Hintergrundteil)

S.50-51 Technischer Bauplan: Die Servorüstung (Hintergrundteil)

S.52-57 Geschichte des Cthonol Regeiments (Hintergrundteil)

S.58-64 Sand im Getriebe: Wüstenkrieg im 41. Jahrtausend (Exklusivregeln)

S.65-66 FAQ (Regelklarstellungen und –ergänzungen)

S.67-71 Bemal- & Basteltipps

S.72-78 Schlachtbericht

(S.79-104 = dHdR-Teil)

S.79-80 Systemeigene (dHdR) Neuerscheinungsvorstellungen

S.81-85 Aggressives Grünzeug: Die Flora des Fangron-Waldes (Hintergrundteil)

S.86-92 Tanz auf dem Vulkan: Kriegsführung in Mordor (Exklusivregeln)

S.93 FAQ (Regelklarstellungen und –ergänzungen)

S.94-98 Bemal- & Basteltipps

S.99-104 Schlachtbericht

S.105-110 GW Hobbyclubs [inkl. Moscha des Monats]

S.111 Warpzone

S.112 GW Hobbyzentren

S.113-114 Troll

S.115 Abonnement

S.116 Vorschau

S.117 Backcover

Das wäre er also, der perfekte WD… Obwohl, noch nicht ganz: Goodies sind immer mal wieder was feines, z.B. Poster, Referenzbögen oder (noch besser) Gratisminiaturen. Wie wäre es mal mit einem kompletten Bausatz? Einzelne Bauteile könnte man über mehrere Monate verteilt anbieten und nach einiger Zeit kann man daraus ein wunderbares Bauwerk, einen Panzer, eine riesige Kreatur oder ähnliches zusammenschustern. So etwas ist enorm gut für die Kundenbindung und erfreut den Leser, also nehmt euch das gefälligst zu Herzen.

Nun, dass waren meine höchst produktiven Ideen. Mögen sie Früchte tragen *hoff*. Man wird ja noch träumen dürfen… man wird ja noch träumen dürfen…

Die Indizierung des El Matador

Nachdem ich vor kurzem noch über die dubiose El Matador Sonder-Edition berichtete, verkündet der aktuelle BPjM-Bundesanzeiger einen weiteren Sieg gegen den gesunden Menschenverstand, denn die besagte (ungeschnittene) El Matador Fassung wurde bei laufender Games Convention (in Leipzig) quasi vom Fleck weg indiziert (wobei sich dieser Fleck auf bundesweit lediglich drei offizielle Distributionsorte verteilt, genauer: Zwei Leipziger Saturn-Märkte und eben der Frogster Interactive Stand auf der GC selbst). Zudem ergriff Frogster Interactive eigene Maßnahmen und stellte nicht nur die offizielle dt. Homepage des Spiels vorläufig auf Eis, sondern entfernte zudem auf der offiziellen Frogster Interactive Homepage selbst sämtliche Links zum nun indizierten Videospielhelden…    

Tja, was soll man sagen? (ACHTUNG! Es folgt undifferenzierte Polemik) Der (äh…) „Sinn“ einer Indizierung wurde hier vorbildlich demonstriert, d.h.: Diese Maßnahme dürfte im (so unglaublich dringend gebotenen) Eiltempo die künftige Zugänglichkeit der ungeschnittenen Fassung an Minderjährige massiv eindämmen (nicht, dass der Titel ohne ein USK-Prüfsiegel sowieso nur an Volljährige verkauft werden durfte und das Spiel nun einen noch stärkeren illegalen Siegeszug durch Tauschbörsen & Co. antreten dürfte) und uns erwarten nun nicht mehr die vollen (mindestens) 2000 zukünftigen Amokläufer (zzgl. mitspielender Freunde oder gar Zuschauern), welche dieses streng limitierte Teufelswerk sonst zweifelsfrei verursacht hätte :-). Da sage ich nur: Nieder mit dem gesunden Menschenverstand! Macht kaputt, was uns kaputt macht! Äääääääääh…

… and welcome to Orwell’s world…

P.S.: Vielen Dank an Jochen11 für die News :-).

Manfred Spitzer – The Moralapostel strikes back

Er hat es wieder getan: Manfred Spitzer (neben Dietmar Pfeiffer, Werner Glogauer, Helmut Lukesch und Co. wohl der derzeit populärste der weltfremden Neo-Luditen im Sinne eines Neil Postman und in bester Hexenjägertradition) frönt seinem Profilierungsdrang als attention-whore und erklärt (seine) Meinungen zu Faktenwissen, passend zur aktuellen Kippung realitätsferner Verbotsambitionen auf politischer Ebene. Und wie nicht anders zu erwarten war, ist Spitzers unqualifizierte Hetze auch jetzt wieder ein Schlag in das Gesicht eines jeden rational denkenden Menschen! Zu finden ist sein neuestes Pamphlet hier: Klick mich!

Der Tenor Spitzers Meinung steht im dritten Satz bereits fest und mag danach nicht mehr weichen: „Wer im Spiel das Töten übt, greift auch im echten Leben eher zur Gewalt.“ Spitzer heuchelt kurz darauf einleitend Überraschung darüber, dass seine Hasstiraden Medienkritik anscheinend breitflächig wahrgenommen wurde, nutzt diesen Ansatz aber dahingehend für eine Selbstprofilierung, da sein letztes Machwerk offenbar in diversen Bestsellerlisten auftauchte (so wie ich Herrn Spitzer jedoch kenne, ist ihm nicht klar, dass dies nicht unbedingt die Qualität seines Schunds bezeugt). Überraschend dürfte das kaum sein, als “prominente(r) Wissenschaftler“ (nur zweifle ich persönlich stark daran, mit einem ernstzunehmenden Wissenschaftler konfrontiert zu sein) mit eigener TV-Sendereihe (Geist und Gehirn) auf BR-alpha kann man sich der Aufmerksamkeit doch gewiss sein. Vor allem wenn man sich derart in Szene setzt und selbst zum Medienereignis mutieren möchte (Neil Postman hat es vorgelebt). 

Das ihm dieser „Erfolg“ zu Kopfe steigt wird dann klar, wenn er im nächsten Satz behauptet: „Die Resonanz war nahezu ausnahmslos positiv; meine Argumente wurden ebenso verstanden wie die Tatsache, dass wir handeln müssen, um gesellschaftlichen Schaden abzuwenden.“ Da fragt man sich nur, wen er genau damit meint. Schätzungsweise diejenigen, welche von den ach so seriösen Medien selbst ununterbrochen auf eine Art Medienphobie hin getrimmt werden (auch dadurch, das oben erwähnte Herren wider besseren Wissen immer und immer wieder als „Experten“ geladen werden und eine Plattform zur Verbreitung ihrer Falsch- und Desinformation geboten bekommen), wenn es um die neuesten der sog. Neuen Medien geht, hier explizit natürlich den Konkurrenten Unterhaltungssoftware.  

Und von welchen Argumenten spricht der Mann? Es findet sich kein einziges Argument bei ihm (schon gar keines, dass einer tiefergehenden Analyse standhalten könnte, wobei schon einfachster Menschenverstand seine Behauptungen verneint), sondern lediglich Meinungsmache pur. Spitzer argumentiert nicht, er sagt „so ist es“ und versucht dies dann von jedweder Kritik u./o. Diskussion zu entrücken. Seine „Argumente“ werden nur von denjenigen verstanden, welche erstens ihren Menschenverstand zumindest auf Standby haben und zweitens sowieso seiner Meinung sind (und schon im Vorfeld waren)… und natürlich wird wohl ein grossteil der meinungsgeBILDeten Massen da draußen ihm zustimmen, denn sie wissen nicht, was sie tun (s.o.) und befreien sich somit jedweder Eigenverantwortung… Dennoch ist sich jeder sicher, irgendwie handeln zu müssen, nur wie, wogegen oder wofür genau, dass wissen sie nicht so genau. Da folgen sie lieber ihren Meinungsführern. Mir wird Angst und bange, wenn ich an die Früchte solche Fehltritte denke… 

Abgesehen von Aufbereitungen in sensationsgeilen Kreisen, die von der Schürung solch vorurteilsvoller Meinungsmache leben, konnte ich auch bislang nur alles andere als positive Resonanz auf Herr Spitzers Machwerk entdecken (und das auch nicht in geringem Maße). Wobei Resonanz aus der wissenschaftlichen Fachwelt sich eh erst immer überwinden muss, sich herab zu lassen und auf ein so unglaublich unwissenschaftliches Konstrukt, wie es Herr Spitzer hier (und öfter noch zuvor) abgeliefert hat, zu reagieren. Aber Herr Spitzer leitet ja ein, dass es durchaus „Ausnahmen“ gab, diskreditiert diese jedoch zu „selbst ernannten Experten“, welche „wissenschaftliche Studien (ignorieren) oder […] sie ohne Argumente einfach ab(lehnen)“ und teilweise auch noch (berechtigte) Kritik an der Person des Herrn Spitzer (vor allem als „Wissenschaftler“) verkünden. Genau: Wie können sie es wagen? Wie kann ich dies wagen? Offensichtlich ist sich Herr Spitzer dieser überwältigenden Ironie nicht bewusst, der er sich in seinem Glashaus aussetzt, in dem es nun recht luftig sein dürfte, bei den Brocken, mit denen er um sich schmeißt. Der Durchzug vergrößert sich gar mit dem folgenden Hinkelstein, den er von sich schleudert, wenn er den Absatz folgendermaßen abschließt: „Sie bezeichnen sich selbst als Wissenschaftler, arbeiten aber nicht wissenschaftlich.“ Später wird Spitzer einige seiner Kritiker (implizit wohl eher alle) als „Freunde des virtuellen Abschlachtens“ bezeichnen, weil sie es wagen, nicht mit seiner Meinung konform zu gehen. Einer solch pejurativen Perspektive ist nichts hinzuzufügen…  

Um diese unerhörte Impertinenz seiner Kritiker zu verdeutlichen, führt Spitzer Fakten an, die von jenen ignoriert würden: “Amerikanische Kinder und Jugendliche verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm als mit jeder anderen Tätigkeit (außer Schlafen). Schon manche Zweijährigen sitzen zwei Stunden täglich vor dem Bildschirm. Bis zum Ende der Highschool (nach zwölf Schuljahren) verbringt ein Durchschnittsschüler etwa 13000 Stunden in der Schule – und fast doppelt so lange vor dem Fernseher (25000 Stunden). Bis zum 18. Lebensjahr haben Kinder, die in Haushalten mit Kabelanschluss oder Videorecorder aufwachsen, etwa 32000 Morde gesehen.“ Spitzer fährt fort: „In Deutschland sieht es besser aus – aber nicht viel: Der tägliche Fernsehkonsum liegt im Vorschulalter bei etwa 70 Minuten, im Grundschulalter bei gut 90 Minuten und bei den zehn- bis 13-Jährigen bei knapp zwei Stunden. Besitzt ein Kind ein eigenes Fernsehgerät, schaut es noch länger fern. Der Anteil dieser Kinder nimmt ständig zu: Lag er 1999 bei 29 Prozent, so erreichte er 2003 schon 37 Prozent. Selbst Kindergartenkinder hocken noch bis spät in der Nacht vor der Flimmerkiste: Um 22 Uhr sind es deutschlandweit 800000, eine Stunde später noch 200000 und um Mitternacht immer noch unglaubliche 50000. In 79 Prozent aller Sendungen des deutschen Fernsehens kommt Gewalt vor – ein Wert, der noch zu Beginn der 1990er Jahre bei 48 Prozent lag.“

Nun, was gibt es dazu eigentlich zu sagen. Nein, besser gefragt: Was will Herr Spitzer damit aussagen? Um die Sinnlosigkeit dieser Zahlenpracht zu verdeutlichen mag jeder für sich zunächst ein mal alles, was im vorangegangenen Abschnitt irgendwie mit Film & Fernsehen zusammenhing mit Nahrungsaufnahme, Lesen, Notdurftverrichtung, Bungee-Jumping oder Däumchendrehen etc. ersetzen. Also etwa wie folgt: Amerikanische Kinder und Jugendliche verbringen mehr Zeit mit Däumchendrehen als mit jeder anderen Tätigkeit (außer Schlafen). Schon manche Zweijährigen verbringen zwei Stunden täglich mit Däumchendrehen. Bis zum Ende der Highschool (nach zwölf Schuljahren) verbringt ein Durchschnittsschüler etwa 13000 Stunden in der Schule – und fast doppelt so lange mit Däumchendrehen (25000 Stunden). Um es auf den Punkt zu bringen: Spitzers Statistikgebabbel hat keinen nennenswerten Aussagegehalt für sein eigenes Thema (und ist höchstens für die Sender selbst in völlig anderer Art und Weise von Belang). Um es noch eindringlicher zu verdeutlichen, empfiehlt sich ein Kommentar zum letzten Satz des Originalabsatzes, der da lautet: „Jeder fünfte Jugendliche sieht sogar täglich mindestens einen Horrorfilm.“ Dieser Satz hat abermals keinerlei Aussagegehalt. Er hat nur für denjenigen Menschenschlag auch nur ansatzweise so etwas wie eine Botschaft, der Horrorfilmen schon im Vorfeld undifferenziert (voller Vorurteile und faktisch falsch), monokausal und durch den sog. pornographischen Blick geprägt auf alles und jeden eine negative Wirkung unterstellt. So hat der ganze Abschnitt nur für denjenigen einen Sinn, dessen Meinung es ist, dass Fernsehen ohnehin in jedem Fall etwas schlechtes sei… Aber solcherart ist die Wissenschaft des Herrn Spitzers.

Wo wir dabei sind: Jener Herr scheint ja auch sog. „Leichenzählstudien“ einen gewissen Aussagegehalt anerkennen zu wollen. Ein weiterer Punkt, der ihn Disqualifiziert, wie im Folgenden klar gemacht werden soll, doch dazu verweise ich kurz an Manfred Riepes „Das Gespenst der Gewalt. Zur Geschichte der Gewaltdebatte. Ein Rückblick auf juristische und journalistische Praktiken sowie die Medienwirkung fragwürdiger Gewaltwirkungsstudien“ von 2003, zu finden hier: Klick mich! Hier geht Manfred Riepe auf eine Schlüsselstudie Jo Groebels ein, welche im Auftrag der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein Westfahlen (LfR). Die wohl bekannteste „Leichenzählstudie“ hierzulande (wenngleich nicht mehr ganz aktuell), an der exemplarisch der Aussagegehalt solcher Studien verdeutlich werden kann. Ich zitiere:

Da die Studie empirisch ist, erweckt das – übrigens bis heute unhinterfragte – Ergebnis von 70 Bildschirm-Morden den problematischen Eindruck, als wäre ein realer Zuschauer tatsächlich einem Programm-Angebot ausgesetzt, bei dem er täglich im Durchschnitt 70 Tote auch wirklich beobachten und mitzählen könne. Doch die rein statistisch ermittelte Gewalthäufigkeit von 70 Leichen pro Tag ist, wenn überhaupt, nur gültig für einen fiktiven Zuschauer, den es real nicht nur nicht gibt, sondern gar nicht geben kann. Denn dieser fiktive Zuschauer müsste täglich rund um die Uhr ohne Unterbrechung fern sehen“ (S.14)  

„Gehen wir jedoch von einer „normalen“ Fernsehsituation aus, in der jeder Zuschauer nur ein Gerät gleichzeitig beobachtet – und nicht ARD, ZDF, Sat1, RTL, Tele5 und Pro7 simultan – so reduziert sich die suggerierte Häufigkeit von 70 Bildschirm-Morden nach der Logik, die die Studie selbst vorgibt, bereits zu einem Sechstel, nämlich auf 11,6. Gehen wir ferner davon aus, daß der einzelne Zuschauer pro Tag nicht einen 24-Stunden-TVMarathon absolviert, sondern durchschnittlich ‚nur’ etwa vier Stunden fern sieht, so reduzieren sich diese 11,6 Tote noch einmal um ein Viertel auf 2,9 Morde, die ein  Zuschauer während seines täglichen Fernsehkonsums im Schnitt wahrnehmen könnte. […] Nicht minder problematisch ist die fehlende Unterscheidung zwischen fiktiven Gewaltszenen in Spielfilmen und der Darstellung von Gewaltopfern in Nachrichten und Dokumentationen. Fragwürdig ist bereits der hier verwendete Neologismus ‚Nachrichtenaggression’. […] Da der Erhebungszeitraum der Studie mit dem Jugoslawienkrieg koinzidiert, ist davon auszugehen, daß das Bild eines Toten im Konzentrationslager von Srebrenica bei der Arithmetik der ‚Leichenzählerei’ den gleichen Summeneffekt zeitigt wie der im Western nach dem Schuß umfallende Revolverheld. Nicht unterschieden wird auch, ob Obelix ein paar Römer platt macht oder Lothar Matthäus mit Kreuzbandriss vom Fußballplatz getragen wird. Unfreiwillig komisch wird die Studie nämlich, wenn die Autoren versuchen, Aggressionshandlungen in Sportsendungen quantitativ zu erfassen.“ (S.15) 

Fazit: „Die Studie erzeugt im ersten Schritt eine Art fiktiven Zusammenschnitt, eine Art Gewaltclip, um im zweiten Schritt die von ihnen selbst erzeugte irreale Wahrnehmungssituation eines Non-Stop-Gewalt-Bombardements als objektive Darstellung des Fernsehangebotes zu verklären.“ (S.16)

Nun, was bedeutet es nun, dass Herr Spitzer offenbar zu solcher „Wissenschaftlichkeit“ tendiert? Ja was nur, was nur, was nur… Aber weiter im Text, Herr Spitzer hat ja noch mehr zu sagen. Auf diese eindrucksvolle Demonstration eines statistischen Leerlaufs folgt tatsächlich folgende Aussage: „Die Gewaltwirkung, der ein Kind durch den Fernseher ausgesetzt ist, ist also schon hoch genug.“ Gewaltwirkung? Es mag ja nur mir so ergangen sein (was ich sehr wohl bezweifle), aber wo erbrachte Herr Spitzer irgendein ernstzunehmendes Argument für eine Gewaltwirkung „durch den Fernseher“? Seine Formulierung allein ist schon Gold wert: Die Gewaltwirkung, die er nicht nachgewiesen hat (da er nicht mal Ansatzweise eine gescheite Korrelation hat konstruieren können, deren Korrelationskoeffizient dank unpassender, ungenauer oder schlichtweg falscher Variablenstellung und –interpeation, ganz zu schweigen von ignorierten Drittvariablen, dann eh unbrauchbar gewesen wäre, wenn er denn doch geschafft hätte), „ist also schon hoch genug.“ Ja, unübersehbar geradezu… Man erfährt hier tatsächlich die leichte Zugänglichkeit der Argumente, welche Spitzer liefert. 

Aber nun schwenkt Spitzer zum aktuellsten Stein des Anstoßes, der Unterhaltungssoftware, welche er (soviel sei hier schon verraten), als ungleich bedrohlicher als Film & Fernsehen einstuft, denn in Spielen würde Gewalt „aktiv trainiert“: „Dies ist im Grunde ein unglaublicher Vorgang: Wohlmeinende (aber unwissende) Eltern investieren Milliarden, um unseren Nachwuchs im Töten auszubilden. Genau dies wird in den Spielen eingeübt – immer realistischer und immer grausamer.“ Was soll ich dazu noch großartig ernsthaft schreiben? Dave Grossman lässt grüßen (und es sollte ja bekannt sein, wie es um den wissenschaftlichen Gehalt dessen Aussagen bestellt ist)… Hier gibt es wahrhaftig schon ausreichend Literatur, die so einen Stumpfsinn vor langer Zeit dementiert hat. Es ist zum verzweifeln, die wahre Unglaublichkeit ist der Umstand, dass Spitzer und Gesinnungsgenossen dies tatsächlich glauben.  Aber Moment, folge ich jetzt laut Spitzer nicht „einem bekannten Schema, das mittlerweile sogar wissenschaftlich untersucht wurde: Man leugnet Fakten, diskreditiert Autoren und stellt unbegründete Behauptungen gegen wissenschaftliche Erkenntnisse.“ Oder arbeitet nicht Herr Spitzer vielmehr weiter an der zutiefst destruktiven Demontage seines transparanten Habitates?

Sowieso: Wenn Spitzer von „gesicherten Erkenntnisse(m) aus der Wissenschaft“ spricht, meint er meist seine eigenen oder andere hinreichend widerlegte Erkenntnisse, bei denen ein wissenschaftlicher Anspruch quasi nicht erfüllt wird. So behauptet Spitzer das Unterhaltungssoftware Gewalt produzieren würde und verweist auf ominöse Literatur, die dies bestätige. Kein Wort vom massiven Widerstand aus der Fachwelt gegen solche Generalisierung, wo doch dieses Phänomen, also das virtuelle/fiktionale Gewalt, nur eine von vielen Drittvariablen beim Entstehungsprozess realer Gewalt sind und erwiesenermaßen ganz eindeutig nicht DER Faktor schlechthin, weder im erschaffendem, förderndem oder auslösendem Sinn. Die Literatur hierzu ist nämlich tatsächlich bereits sehr groß und es gibt genügend Arbeiten, die zeigen, dass auch Computerspiele keine Gewalt erzeugen. Tatsächlich auch in der BRD quasi hochoffizielle (worauf gleich noch Bezug genommen wird).Das eigentlich erschreckende ist, dass Spitzer tatsächlich und allen Ernstes behauptet, eine vermeintliche Abstumpfung gegenüber realer Gewalt (was auch immer Abstumpfung denn im genauen sein soll, denn ein wirklich griffige Definition gibt es nach wie vor nicht. Ähnlich verhält es sich mit Gewalt, ein Begriff der von Individuum zu Individuum höchst unterschiedlich definiert wird. Wer setzt hier die Meßlatte fest? Ein Problem, dass sich in vielen Experimentdesigns zur Wirkungsforschung festsetzt, aber geflissentlich übersehen wird…) steige und gleichzeitig würde Gewalt in allen Lebensbereichen zunehmen. Hier wird ein typischer Zukunftspessimismus geschürt, vor allem gegen die Jugend (wie es schon archetypisch ist): Früher war alles besser und aus Holz, alles wird immer schlimmer und die Jugend von Heute ist der Untergang des Abendlandes. Während tatsächlich die Gewalt immer mehr abnimmt, wird von Herrn Spitzer fleißig weiter das Klischee des Untergangs bedient, dass bei so vielen Menschen wohl fest verankert ist. Ja, Spitzer führt tatsächlich „die Zwischenfälle in Passau, Bad Reichenhall, Meißen, Metten, Darmstadt, Brandenburg, Freising, Gersthofen, Erfurt und Coburg mit insgesamt 30 Toten und weiteren Schwerverletzten“ auf die Wirkung von Computerspielen (und Film & Fernsehen) zurück. Gern gesehen, so kann sich jeder für sich der Verantwortung entziehen, der Sündenbock wird auf dem Silbertablett präsentiert…

Aber weiter im Text: Spitzer glänzt mit umfangreicher Falschkenntnis von Fakten, denn er behauptet: „Bei der überwiegenden Mehrzahl der Computer- und Videospiele handelt es sich um Software zum Trainieren von Gewalt, zum Abgewöhnen von Tötungshemmung und zur Abstumpfung gegenüber Mitgefühl und sozialer Verantwortung.“ Prüfstatistiken, wie sie beispielweise von der USK vorliegen und die ohne größeren Aufwand einsehbar sind, ignoriert er offensichtlich. Um es klar heraus zu sagen: Der werte Herr Spitzer redet hier von gerade mal unter 5 %  aller Spiele, ungeachtet der hohen Martkanteile, die diese für sich verbuchen (und selbst bei diesen 5 % passt nach wie vor nicht die pure Behauptung/Meinung, dass  damit Gewalt trainiert, Tötungshemmungen abgewöhnt und Mitgefühl und soziale Verantwortung  abgestumpft würden). Aber hier ist ja wieder das Gewaltproblem: Was ist Gewalt und was nicht? Vielleicht gehören in Spitzers Welt Spiele in der Machart eines harmlosen Jump’n’Runs mit in die Gewaltliste, solange man als italienisch-stämmiger Klempner nur genügend Schildkröten und anderem Viehzeugs mit dem Hintern auf den Kopf hüpft…Implizites Zeugnis seiner Unkenntnis legt wohl Folgendes ab: „Verbotene Spiele wie Duke Nukem 3D zum Beispiel sollen mit detaillierten Tötungsanimationen wie dem Wegspritzen von Blut- und Hautpartikeln, Wegsprengen ganzer Körperteile usw. den Spielern Spaß bringen.“ Zum einen lässt sich sagen, dass Spitzer wohl die Entwicklung der letzten Dekade verpennt hat, zum anderen wieder der undifferenzierte Begriff des Verbotes genutzt (wie so oft bei Personen mit eingeschränktem Bildungshorizont zum Thema). Duke Nukem 3D (welches er sicherlich meinte) ist indiziert, nicht mehr und nicht weniger. Wenngleich auch die Indizierung eine Form von Verbot ist, so suggeriert der reine Begriff des Verbotes doch schon etwas anderes, dass in diesem Fall gravierender sein mag und auch bei der Leserschaft noch negativere Assoziationen fördert. Bravo Herr Spitzer!

Nach einer Sympathisierung mit dem Motivationsforscher Werner Kroeber-Riel, dessen „Feder (sich) sträubt […], den Inhalt solcher Computerspiele oder anderer Spiele wiederzugeben, die gegenwärtig Kinder und Jugendliche in den Umgang mit roher Gewalt, Hass und widerwärtiger Sexualität einführen“, also nach einer abermaligen Verdeutlichung von Spitzers pornographischen Blick auf die sog. Neuen Medien, folgt sein Dementi, dass Unterhaltungssoftware intelligenzsteigernd sei. Ein Abschnitt, der an Ignoranz kaum zu überbieten ist. Nach erneuter Predigt und unter zur Hilfenahme der Mär, dass in den meisten Spielen das Töten gelernt würde, negiert er die Förderung „sensomotorische(r) Fähigkeiten“, von „Regelkompetenz“ sowie von „Motivation und Energie“. Weiter offenbart er dem Leser sein verdrehtes Weltbild: Er verkennt den Erkenntnisgehalt einer er umfangreichsten internationalen Studiensammlungen zur Wirkungsforschung (die u.a. auch mit die relativ aufgeklärte Arbeitsgrundlage der USK oder auch der BPjM bildet – unabhängig von ihren dann dennoch gefällten Prüfentscheidungen – und in welcher mehrere Tausend Studien zum Thema analysiert wurden, also ein Großteil der bis dato erhaltenen Erkenntnisse), den quasi gesamtwissenschaftlichen Konsens zum Thema (denn ob Spitzer sich das eingestehen mag oder nicht, sein extremer Standpunkt ist tatsächlich eben nicht wissenschaftlicher Konsens)  und schlichtweg die Realität, wenn man so will. Tatsächlich spricht er von  
“methodisch sauber durchgeführter Studien“, die seinen Standpunkt untermauern würden, wobei er im Plural von „wir“ spricht und wohl gedenkt, die Stimme der Wissenschaft zu sein.  Aber Selbstüberschätzung ist was feines, zumal, wenn man kurz darauf demonstriert, wie wenig Ahnung man doch von dem hat, was man eigentlich kurz zuvor geäußert hat. Natürlich nicht ohne konspiratives Gedankengut durchscheinen zu lassen, denn jeder, der nicht seiner Meinung ist, „Wer etwas anderes behauptet, der lügt“. Tatsächlich lassen auch frühere Äußerungen und Publikationen Spitzers darauf schließen, dass er an etwas wie eine Verschwörung zum Wohle der Killerspiele zu glauben scheint, an mächtige Drahtzieher, die alles daran tun, Lügen in die Welt zu setzen. Nach seiner Logik gehört quasi jeder dazu, der nicht seiner eigenen Meinung ist, also jeder rational denkende Mensch, um es auf den Punkt zu bringen. Verdrehte Welt…

Wie verdreht Spitzers Welt wirklich ist, zeigt er einem jeden, wenn er wieder die Wirkung von Rauchen auf den menschlichen Metabolismus (also die inzwischen klar interpretierbare Wirkung einer physischen Substanz auf eine andere physische Substanz) mit der Wirkung der Medienrezeption auf den Menschen gleichstellt (später Spricht er von einer Eindeutigkeit wie bei Zuckerkonsum und Fettleibigkeit). Sicher, sicher… das Problem, dass Medieninhalte von jedem Individuum vollkommen anders interpretiert werden (da ein jeder Mensch anders sozialisiert wurde und in seiner individualbiographischen Entwicklung von anderen Faktoren tangiert wird und somit ein gleicher Inhalt auf zwei Menschen immer unterschiedlich wirkt bzw. wahrgenommen wird) bleibt hier (wie immer) außen vor.

Ohne Worte kann man Spitzer verdrehte Welt auch an seinen folgenden sechs Abschnitten/Aussagen verdeutlichen (welche nicht mehr mit der Gewaltdebatte an sich zusammenhängen, sondern nur 08/15-Diabolisierungen der Unterhaltungssoftware sind). Aber anstatt auch diese zu zerpflücken zitiere ich Spitzer zunächst in einem nur all zu passenden Einzeiler und wende dieses Zitat auf seine eigenen Konstrukte an: „Hier wird die Realität in einer Weise auf den Kopf gestellt, dass es weh tut!“ Alle Probleme von und mit Kindern und Jugendlichen sind bei Spitzer Resultat der neuen Medien. Weltfremd… einfach nur weltfremd.

Aber machen wir uns nichts vor: Herr Spitzer wird wohl bis an sein Lebensende mit einem Brett vorm Kopf umherlaufen und in einer verzerrten Realität hausen. Da kann man nur hoffen, dass er nicht noch mehr gehör bekommt und daraus Konsequenzen entstehen, denn verdient hätte er es garantiert nicht…

P.S.: Ich werde womöglich ein den kommenden Tagen die Formatierung des Textes noch ein mal ändern. Stay tuned!

Die Sonder-Zensuredition des El Matador…

Zum Einstieg erst ein mal 2 Pressemeldungen:

Er ist zu hart für die deutsche Jugend – El Matador (pcaction.de)

Hier liest sich das schon anders:

El Matador – Limitierte Sonderedition (gamestar.de)

Ich übersetze es mal (wie ich es verstanden habe):
El Matador bekam in Deutschland keine USK-Freigabe (sprich: Das Prüfsiegel wurde verweigert, womit der Titel offiziell indiziert werden kann). Da sich Frogster Interactive diesen Titel als Steckenpferd ausgesucht hat und somit Gewinn einfahren will (zur Erinnerung: Deutschland ist der drittgrößte Markt weltweit), soll dieser Titel aber möglichst lange auf dem Markt bleiben (was nur möglich ist, wenn er nicht indiziert wurde und durch ein USK-Prüfsiegel für die BPjM quasi unantastbar wird), also wird die deutsche Version schlichtweg zensiert, um den Anforderungen der USK zu genügen (und dann neu vorgelegt zu werden, um irgendein Prüfsiegel zu bekommen, womöglich zielt man sogar auf ein Rating unter Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG, was quasi gleichbedeutend mit noch gravierenderer Zensur ist).
Darum verschiebt sich der Releasetermin zumindest in Deutschland.

Weiter: Aus der Gamestar-Meldung geht nicht hervor, dass sich das Spiel weltweit verschiebt, aufgrund obiger Überlegungen ist wohl eher von einer exklusiven Releaseverschiebung in Deutschland zu rechnen. Falls es sich tatsächlich um ein weltweites Phänomen handelt, dann nur, damit der deutsche Kunde nicht auf dumme Ideen kommt und schon eine früher releaste Importfassung kauft. Man spekuliert dann darauf, dass bei zeitgleichem Release zuerst garnicht auffällt, dass die dt. Version geschnitten ist (denn bei unterschiedlichen Releasedates würden sich viele wundern, warum das Spiel noch nicht in Deutschland zu haben ist, so bleibt es vielen vorenthalten).

Letztendlich: Aufgrund obiger Umstände ist der Publisher mehr als dreist, denn abgesehen von der Unverschämtheit der Zensur versucht er eine normale, ungeschnitte Fassung, wie sie internationaler Standard ist (natürlich nur nicht für Deutschland), als eine „Sonder-Edition“ zu verkaufen (ohne jedwedes Extra, dass eine reguläre S.E., C.E. u./o. Ltd.Edt. im Normalfall aufweist, bzw. ohne die Extras, die in der richtigen C.E. von El Matador – die in der Tat erscheint, sowohl als geschnittene dt. Fassung, als auch internationale, ungeschnittene Fassung – enthalten wären). D.h.: Frogster Interactive versucht die Kundschaft zu verarschen, indem sie die stinknormale Fassung von El Matador, die man im ganzen Rest der Welt ohne Probleme kaufen kann, als limitierte „Sonder-Edition“ auf dem dt. Markt anpreist (doppelt dreist, denn ich bezweifle, dass die ungeschnittene C.E. einer derartig strengen Limitation unterliegt).

Mit anderen Worten: Deutsche, ihr werdet arschgefickt… und zwar kräftig!

Abschliessend könnte ich natürlich noch ein paar Worte über die unkritische, um nicht zu sagen durch die anscheinend kommentarlose Übernahme der Frogster Interactive Verlautbarungen geradezu in die Irre führende Berichterstattung von gamestar.de verlieren, aber neeeiiin, so kennen wir unsere Gamestar ja…

Heute: Bad Day L.A. (Demo)

Nach Jahren des Wartens ist es heute (für mich relativ unerwartet) so weit: Die (englische) Demo zu American McGee’s Bad Day L.A. ist erschienen. Was gibt es da mehr zu sagen als saugen, saugen, saugen. Wer die Werke des guten herren kennt, der weiß, daß ihn ein potentieller Hitkandidat erwartet, fernab vom sog. Mainstream, unkonventionell, schräg und mit einem ganz eigenen Humor. Nunja, was gibts da jetzt auch mehr zu sagen? Ich melde mich dann mal ab und installier die Demo. Stay tuned, folks!  

Links:

Gamershell.com

3DGamers.com

Die Nachrichten: Vertrauen ist gut… (Bildmanipulation)

Kürzlich wurde mir dieser Link hier zugestellt: The World’s Most Photorealistic Vector Art. Beindruckende Werke, wenn man bedenkt, dass hier alles artifizieller Natur ist und es sich nicht um Photographien o.ä. handelt.

Doch in mir keimten in erster Linie ungleich bedrückendere Gedanken, anstatt Bewunderung für den Künstler: Worst Case – Bildmanipulation, denn gefährlich wird das ganze, wenn seriöse Medienformate manipuliert werden, z.B. die Nachrichten per se, Informationen, Dokumentationen usw. usf. Der Fotorealismus hält hier Schritt für Schritt Einzug: Was nur der nächste Schritt in der Bildbearbeitung ist (also artifizielle Bilder, die von Fotos nicht mehr zu unterscheiden sind und mittels derer sich brisante „Foto“-Montagen erstellen lassen), könnte sehr bald Standard bei der Filmbearbeitung sein. Man denke nur an bereits Machbares (Popcorn-Kino dürfte hier am eindrucksvollsten sein), d.h.: Film-Manipulationen, nicht nur im Sinne bearbeiteter gefilmter Vorlagen, sondern komplett artifiziell erstellte Filme, die nicht von realen Aufnahmen zu unterscheiden sind.

Was bald möglich sein könnte verdeutlicht Paul Michael Glasers Verfilmung von Stephen Kings Running Man (dt. Menschenjagd): Quasi in Echtzeit wurde hier eine fotorealistische (oder sollte man „filmrealistische“ sagen? ;-)) Kampfszene zwischen Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) und Captain Freedom (Jesse Ventura) mit tödlichem Ausgang für ersteren komplett am Computer erstellt, alles im Sinne der Massenmanipulation. Wenn man das ganze nun mit der Grundidee von Barry Levinsons Wag the Dog kombiniert, kann sich jeder selbst ausmalen, was uns erwartet…

Man sollte sich vorsehen: Was wie SciFi anmuten mag, diese naheliegenden Dystopien, sind für die Mächtigen dieser Welt eine gefundene Inspirationsquelle. Um zu diesem Schluss zu kommen muss man nicht mal ein sonderlich paranoider Verschwörungstheoretiker sein. Oder ist es nicht der beste Clou der Verschwörer, uns einzureden, eine Verschwörung sei Unfug und jeder, der eine wittert ein Wirrkopf? Oh mein Gott, da kann man sich echt drin verfangen hehehe… Ich bin wohl nur ein Pessimist oder so *flöt*…

Links: 

Die Wahrheit der digitalen Bilder (telepolis.de)

„Digitale Fotografie hat den Fotojournalismus mehr als jemals zuvor verwandelt“ (telepolis.de)

Die Flaute nach dem Schuss (telepolis.de)

In eigener Sache: Verzögerungen

Nun, es ist nun schon ein paar Tage her, dass es hier den letzten Eintrag gab. Doch das hat Gründe… Als ausgemachter Workaholic hänge ich wieder mitten über meinen Unterlagen und bereite mich auf eine schriftliche Magisterprüfung in den Geschichtswissenschaften am 31. diesen Monats vor, Thema: Die Hegemonie Spartas.

Folglich setze ich mich derzeit mit den höchst kriegerischen Griechen auseinander, die in der Antike wohl keinen unterhaltsameren Zeitvertreib hatten, als sich gegenseitig non-stop den Schädel einzuschlagen. Ein lustiges Völkchen, jaaa das muss man uneingeschränkt zugestehen. Und alle mit so lustigen Namen. Nunja, so oder so möge man es mir verzeihen, daß es bereits so früh nach Blogstart zu Eintragsverzögerungen kommt, die Uni hat nun mal Prioritätsstufe eins. Ich werde aber mein bestes geben oder wenigstens was akzeptables, vielleicht auch nur gerade so ausreichendes, für manche sicherlich ungenügendes, aber wen kümmerts hehe…

Dabei schwirren mir noch so viele Ideen im Schädel umher…

In diesem Sinne: Be vigilant!