Nomen Est Omen: Christian Pfeiffer is back… „Experte“ ohne Expertise

Auf ein Wort: Wer sich wunderte, warum es so lang so still in diesem Blog war…
Ich schrieb meine Magisterarbeit zum Thema „Eine Zensur findet nicht statt.“ Zum Problemfeld fiktiver Gewaltdarstellungen in den Neuen Medien im Kontext des deutschen Jugendmedienschutzes – Eine kritische Analyse des deutschen Jugendmedienschutzes, auf Grundlage medien-wirkungstheoretischer Erkenntnisse in Bezug auf fiktive Gewaltdarstellungen in Filmen und Computerspielen, vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse – … Folgendes ist ein in Blogform umgewandelter (und stark bearbeiteter) Auszug dieser Arbeit und unterliegt entsprechenden Gesetzen zum Schutze geistigen Eigentums, also Finger weg :-D…

Es ist mal wieder so weit. In gewohnt populärwissenschaftlicher Manier rückt C. Pfeiffer ins Rampenlicht von Massenmedien und Politik, seines Zeichens Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens e.V. (KFN), Hüter von Recht und Moral (gemäß seiner eigenen ehernen Maximen), sowie selbsternannter „Experte“ für Medienwirkungen audio-visueller Medien, explizit von Computerspielen. Noch am 17. April 2007 tat er es seinem US-amerikanischen Pendant Jack Thompson gleich und verkündete nach den tragischen Vorfällen in Virginia, an diesen seien „Killerspiele“ schuld – jedoch einen Tag später, als sein nordamerikanischer Gesinnungsgenosse, also erst am Folgetag der Tat. Eins hatten beide jedoch gemein: Ihre Schuldzuweisungen an die Neuen Medien erfolgten selbstentlarvend bereits noch bevor es (aussagekräftige) offizielle Stellungnahmen der ermittelnden Behörden zum Tathergang und vor allem zum Täter gab. Tatsächlich wurden später keinerlei Computerspiele beim Täter gefunden. Der Agitationsreflex wurde in seiner Gänze entblößt, wo nicht generell bereits triviale Logik u./o. ein Minimum an Sachkenntnis die Unkenntnis der Agitatoren entlarven. Eine Entblößung von vielen, wie hier später dargestellt wird.

Obwohl solchen Reflexen eine Qualität inhärent ist, die automatisch vom Diskurs über den vermeintlichen Zusammenhang von fiktiver und realer Gewalt (also der Frage nach der Wirkung von fiktiven Gewaltdarstellungen auf die Rezipienten) disqualifizieren sollte, wurde C. Pfeiffer dennoch an diesem Donnerstag (dem 26.04.2007) abermals als „Experte“ geladen, diesmal in den deutschen Bundestag. Geladen hatte der Unterausschuss Neue Medien, um in einer Expertenrunde im Berliner Paul-Löbe-Haus den Umgang mit gewaltverherrlichenden Computerspielen zu diskutieren, so verlautbarte zumindest Gamestar.de am 23.04.2007. Neben C. Pfeiffer waren zudem Prof. Dr. Hartmut Warkus (Uni Leipzig), drei Vertreter der Kontrollmedien und ein Abgesandter der Industrie. Was genau diese Expertenrunde zur Debatte beitragen soll ist ungewiss, da vermeintlich gewaltverherrlichende Medien bereits beschlagnambar sind und somit der quasi weitreichendsten Sanktionsmöglichkeit (immerhin einem bundesweit strafbewehrtem Totalverbot) nach deutschem Recht unterliegen. D.h.: Eine Verschärfung wäre für solche Medien gar nicht wirklich diskutierbar, eher Lockerungen. Aber vielleicht handelt es sich hier einfach um einen Fehler von Gamestar.de oder die übliche Unkenntnis der Politik.

Doch auf all dies soll hier nicht eingegangen werden, der Fokus richtet sich auf C. Pfeiffer. Es soll dargestellt werden, dass dieser Mann, welcher immer wieder als Experte angeführt wird, nicht mal Anforderungen an einen Laienstatus erfüllt. Interessant ist hier ein Blick auf seine Argumentation und vermeintlich wissenschaftliche Beweise für seine Meinung.

Wenn C. Pfeiffer von Wirkungen und Gefahren der Computerspiele spricht, bezieht er sich durchweg auf vermeintliche Forschungsergebnisse seiner eigenen, nach wie vor unveröffentlichten (und somit einem peer-review noch unausgesetzten) Studie zur (inzwischen umbenannten) „Medienverwahrlosung“ Heranwachsender, zu der in den ungezählten Monaten seit 2005 bislang nur ein nichtssagendes Abstract veröffentlicht wurde. Ein Sammelsurium von (in dieser Form) nichtssagenden Äußerungen, die selbst in dieser Fassung bereits allenfalls fragwürdig sind und Fehler und Probleme in C. Pfeiffers Vorgehen offenbart.

Wichtiger ist jedoch eine aktuell laufende Studie: So verkündete das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport unter U. Schünemann (CDU) am 18.09.06 gemäß eines zuvor ergangenen Auftrags der Innenministerkonferenz der Unionsparteien (nach einer klaren Absage der Bundesregierung an weitere Verschärfungen des Jugendmedienschutzes) eine Kooperation mit dem KFN. Ziel der Zusammenarbeit sei ein KfN-Forschungsprojekt zur Evaluation des Jugendmedienschutzes hinsichtlich dessen Umsetzung durch die USK zur Verschärfung des Jugendmedienschutzes (unterstützt von der Thyssen Stiftung). Die entgültigen Ergebnisse sollen am 31.05.07 auf der Jugendministerkonferenz vorgestellt werden. Die offizielle Pressemitteilung erläutert:

„In einem ersten Schritt werden dazu die Inhalte von rund 90 Computerspielen ermittelt, die unterschiedliche Alterseinstufungen erhalten haben. Danach werden die entsprechenden Gutachten der USK überprüft, in wie weit die Einstufungen nachvollziehbar sind oder es nach den Regeln des Jugendmedienschutzes zu anderen Bewertungen hätte kommen müssen. Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend in einer Arbeitsgruppe unter Einbindung des Jugend- und Kultusministeriums Konsequenzen ermittelt und ein Konzept mit dem Ziel einer gemeinsamen Initiative von Bund und Ländern erarbeitet werden. Schünemann und Pfeiffer waren sich darin einig, dass der Jugendschutz bei Gewalt verherrlichenden Computerspielen deutlich verbessert werden muss.“

Jedoch herhielt das KfN nur ca. 70 (exakt 72) USK-Gutachten und dies nur nach juristischen Komplikationen, da die USK die Gutachten nicht überantworten wollte/konnte. Tatsächlich dürfen diese Gutachten nicht ohne weiteres durch die USK veröffentlicht werden: „Da würden Eigentumsrechte der Anbieter verletzt. Zudem handelt es sich um einen hoheitlichen Verwaltungsakt. Da gelten ohnehin noch mal spezielle Regeln.“ (Christine Schulz, zitiert in: Peschke 2006b, S.1.) Nur wenn bspw. ein berechtigtes wissenschaftliches Interesse gegeben ist, gelten Ausnahmen. Diese anfängliche Vorenthaltung von Gutachten seitens der USK macht deren Haltung zum wissenschaftlichen Anspruch der KFN-Studie überdeutlich.

Ein relevanter Erkenntnisgewinn der aktuellen Studie ist zudem (bereits methodisch, wie später präzisiert wird) fragwürdig: Es ist a priori feststellbar, dass sich Altersklassifikationen per se nicht objektivieren lassen. Letztlich werden somit also lediglich den subjektiven, jedoch durch plurale Gremien erarbeiteten und somit zumindest auf Objektivität zielenden Prüfergebnissen der USK diejenigen des KfN vorgehalten – maßgeblich basierend auf moralisch/ethischen Maximen C. Pfeiffers, welcher sich zudem durch eine langanhaltende Kampagne gegen die USK als voreingenommen disqualifiziert (wie ebenfalls später präzisiert wird).

Das der aktuelle Jugendmedienschutz unzureichend sei, ist in dieser Studie also bereits Prämisse. Auch ein immenses negatives Medienwirkungspotential wird hier a priori vorausgesetzt, ohne adäquaten eigenständigen Ansatz einer Medienwirkungsforschung – stattdessen bezieht sich C. Pfeiffer wie erwähnt nur auf fragwürdige Forschungsergebnisse seiner eigenen Studie zur sog. Medienverwahrlosung, sowie Studien ähnlich inadäquater Mediengewaltgegner.

Fazit: Hier soll ex post facto einer ex ante intendierten Verschärfungsabsicht die wissenschaftliche Legitimation geliefert werden, dass Forschungsergebnis scheint bereits im Vorfeld festzustehen, ebenso die Konsequenzen: Herstellungs- und Verbreitungsverbote, sowie die Verstaatlichung der freiwilligen Selbstkontrolle (resp. eine Abschaffung der Co-Regulierung) seien unumgänglich. Tatsächlich fordern diese Konsequenzen bereits existentes, sind also unnötig: Gewaltverherrlichende Medien werden ohnehin (theoretisch) beschlagnahmt und die freiwillige Selbstkontrolle ist bereits de facto (halb-)staatlich.

C. Pfeiffer rekurriert mit seinen Thesen (wie kurz zuvor angedeutet) u.a. (mehr oder weniger implizit) auf diejenigen seines „medizinischen Sekundanten […] Manfred Spitzer“, vertritt also auch dessen Hypothesen, z.B. Bildschirmmedien machten „Kinder dick, krank, dumm und traurig“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Krell 2005) – und nicht zuletzt gewaltbereit. Zitat: „Wer aber Ego-Shooter und Kampfspiele spielt, bei dem erhöht sich die Gewaltbereitschaft enorm.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Schmaler/Wiedersheim 2006) Dabei vertritt er die (triviallogisch und methodisch unausgereifte und folglich empirisch bislang ausschließlich ungenügend geprüfte) Habitualisierungsthese, diffamiert zugleich die Spieler: „Leute, die subjektiv in der Rolle des Mörders oder des Zuhälters sind, die müssen das weniger schlimm finden, damit ihnen das gefällt. So ist nun mal die Seele angelegt, dass sie versucht zu neutralisieren. Alles andere würde ja den Spaß vermiesen. Und das überträgt sich ins reale Leben, wo dann die Spieler solcher Spiele regelmäßig gehemmter auftreten, empathisch weniger kompetent sind als andere Menschen.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Peschke 2006a, S.2.)

Zusätzlich vertritt er die (mit bereits erwähnten und vielen zusätzlichen Problemen behaftete) Imitationsthese, letztere jedoch nur für Einzelfälle: „Die Mehrheit der Jugendlichen führt das Computerspielen nicht zu Nachahmungseffekten. Die werden durch das Computerspielen nur schlechte Schüler und das wiederum kann dann auslösen, dass sie aus ihrem Frust, ein schlechter Schüler zu sein, aggressiv werden – aber nicht durch direkte Nachahmung, sondern mehr durch das mißlungene Leben, in dem das Computerspielen eine zu gewichtige Rolle bekommen hat.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Krell 2005)

Der Einfluss anderer Faktoren (sowohl individualbiographischer, als auch reziprok damit einhergehende gesellschaftlicher und kultureller) wird von ihm jedoch angesichts des vermeintlichen Medieneinflusses relativiert, indirekte Wirkung durch Postulierungen direkter Wirkungen ersetzt – gewisse Spieler könnten Realität und fiktive Computerspielinhalte nicht mehr trennen. Zudem seien Computerspiele auch „ein notwendiger Faktor für den Amoklauf“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Peschke 2006a, S.2.), er behauptet: Hätte B. Bosse bspw. keine Computerspiele gehabt, „wäre er mit Sicherheit kein Amokläufer geworden. Früher hatten wir Amokläufe nur durch Erwachsene. Heute haben wir die Entwicklung, dass immer häufiger Jugendliche das machen. […] Man muss sich vor Augen halten: Sämtliche Amokläufer unter 20 Jahre, die wir in der letzten Zeit sehen mussten, sind massiv durch Computerspiele beeinflusst gewesen. Sie haben Handlungsmuster nachempfunden, die sie als attraktiv erlebt haben, sind also quasi auf den Spuren ihrer Computerspiele unterwegs gewesen.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: ebd.) Diese Einschätzung widerspricht nicht nur (quasi sämtlichen) Erkenntnissen der Medienwirkungsforschung, zudem gab es bereits früher derartige Taten durch Heranwachsende (Bekanntheit erlangte bspw. die Tat der damals 16-jährigen Marie Ann Spencer an der Grover Cleveland Elementary School in San Diego am 29.01.79).

Zudem kann generell bereits seine unkritische Verwendung des Begriffs „Killerspiel“ kritisiert werden. Zusätzlich rekurrierte C. Pfeiffer auf die damals aktuelle Debatte zur sog. neuen Unterschicht: „Die Playstation ist das Spielzeug der Armen. Gilt auch für den Computer, übrigens.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Peschke 2006a, S.3.) Er sieht zudem in den Bildschirmmedien eine Erklärung für die ungenügenden PISA-Ergebnisse deutscher Schüler, sowie für eine (vermeintlich) zunehmend abnehmende Wirtschaftskraft der BRD. Entsprechend ist Kritik auch von politischer Seite gegeben. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter (SPD) kommentierte bspw. C. Pfeiffers Thesen entsprechend: „Ich habe auch nicht den Eindruck, dass er da wirklich so viel Ahnung davon hat.“ (Klaus Uwe Benneter, zitiert in: Güßgen 2006b)

Zudem disqualifiziert ihn seine langanhaltende Kampagne gegen die USK als thematisch voreingenommen. C. Pfeiffer kritisiert die Prüfkriterien der USK, denn „man müsse die Entscheidung mehr auf die Gewaltspitzen, die Exzesse im Spiel gründen. Ihren ‚ganzheitlichen Ansatz’ findet er da falsch, da er Gewalt gegebenenfalls relativiert.“ (Peschke 2006b, S.2.) D.h.: Der Forschungsansatz des KfN (hinsichtlich des quasi selbsterteilten Evaluationsauftrages der USK) sieht eine dekontextualisierte Analyse der Gewaltdarstellungen vor, liefert also bereits vom Ansatz her keine adäquate Behandlung der Mediengewaltproblematik. Eine etwaige negative Wirkung rückt also zunehmend aus dem Studienfokus und wird von noch subjektiveren moralisch/ethischen Kriterien verdrängt. Die moralisch/ethische Verzerrung seiner Perspektive wird nachfolgend präzisiert: C. Pfeiffer postuliert bspw. die Existenz von Spielen, „die vom Gewaltexzess her beispielsweise in die Nähe kommen von einem Pornofilm, bei dem real ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt wird und der Film anschließend für 4000 Euro ins Internet wandert.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Peschke 2006a, S.1.) Er bestätigt auch auf erneutes Nachfragen, diverse Computerspiele auf einem Niveau mit Kinderpornographie zu lokalisieren – merkt jedoch an, dass diese bereits jetzt nach § 131 StGB strafbar seien. Rückschließend sind für ihn also auch aktuell dementsprechend beschlagnahmte Titel (also explizit Manhunt und div. Mortal Kombat Teile) quasi kinderpornographisch (jedoch ist davon auszugehen, dass ihm diese expliziten Titel nicht bekannt sind). Der gesamte Vergleich per se ist jedoch als absurd abzulehnen. Er präzisiert: „Eine Gesellschaft, die so ein Spiel freigibt für den Markt, ist krank. Zutiefst krank. Hier wird das Ausüben von Verbrechen belohnt. Ausgeschlossen. Für mich: Glatt ausgeschlossen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies der Einstieg in einen Werteverlust ist. […] Spiele, die derart unmoralische, ethisch nicht akzeptable Verhaltensweisen prämieren, würden bei mir alle vom Markt verschwinden.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: a.a.O., S.2.)

Deutlich wird er zudem bei Nachfrage zu seinen eigenen Computerspielgewohnheiten: „Ich spiele nie! Doch, ich habe ‚Counterstrike’ gespielt und all das gesehen, was der Jugendliche aus Erfurt gespielt hatte. Es war ziemlich zum Kotzen.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Schmaler/Wiedersheim 2006) Letzteres ist insbesondere interessant, da C. Pfeiffer in seiner Kritik an die USK anmerkt: „Meiner Meinung nach muss ein Gutachter das Spiel selbst zu einem großen Teil gespielt haben.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Peschke 2006a, S.1.) – ansonsten könne keine adäquate Beurteilung stattfinden. Zusammengefasst verdeutlicht dies den pornographischen Blick des antipathisch prädispositionierten Fremden.

Ein Kurzer Exkurs zur Definition des Fremden (gemäß Rainer Winter):
Der Fremde definiert sich durch nur marginale und unsystematisierte Lesekompetenzen, gekennzeichnet durch eine naive Orientierung im und einer undifferenzierten (simplifizierten) Interpretation des Medientextes, weshalb meist versucht wird, Interpretationsrahmen anderer Genres aufeinander zu übertragen – Textunterschiede werden weniger innerhalb eines Genres, als im Vergleich der Genres miteinander wahrgenommen [(d.h.: „Sie haben noch nicht gelernt, die Sprache eines solchen [Mediums/Genres] zu entschlüsseln. Sie kennen die Typika nicht und verstehen deshalb [den Medieninhalt] auch nicht vollständig.“ (Thomas Hausmanninger, zitiert in: Gottberg 2001a, S.48f.)]. Durch ausgelassene/inadäquate Einordnung der Medientexte in ein sinnstiftendes Relevanzsystem, ist die Rezeption eine potentiell negative, einzustellende Erfahrung (Möglicherweise „sind sie abgestoßen, finden schlimm und grässlich, was sie gesehen haben und unterschreiben eventuell am nächsten Tag eine Petition zum Verbot solcher [Medieninhalte]“, (Thomas Hausmanninger, zitiert in: a.a.O.) beachten diesen Inhalt nicht weiter oder aber dieser wirkt positiv und der Rezipient avanciert zur nächsten, medienkompetenteren Stufe.). Als Anmerkung, Fremde sind eher die Ausnahme in einer Mediengesellschaft, Touristen und Buffs sind die Regel (der höchste Grad wäre der sog. Freak), diese Stellen in dieser Reihenfolge eine unterschiedlich hohe Grade von Medienkompetenz dar, wobei Fremde die Inkompetentesten sind. Auf eine weitere Definition wird hier verzichtet.

C. Pfeiffer war im Laufe des Jahres 2006 mehrfach massenmedial präsent (unmittelbar nach dem sog. Amoklauf von Emsdetten nahezu täglich) und stellte dabei die immer gleichen diffamierenden Mutmaßungen über die Arbeitsweise der USK an, ohne jemals Einsicht in oder Teilhabe an einem ihrer Prüfverfahren gehabt zu haben: „Wir vermuten, dass sich die ehrenamtlichen Gutachter zu stark auf die Inhaltsbeschreibung der Testspieler verlassen […]. Eine zweite Hypothese ist, dass die Regeln zu unklar sind.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Seel 2006) Explizit unterstellt er ihr eine Blockierung der BPjM (fordert damit auch eine höhere Indizierungsquote) durch zu niedrige oder überhaupt erteilte Altersklassifikationen, was er mit einer angeblichen Industrienähe und Voreingenommenheit der Spieltester begründet – dabei griff er auch explizit Marek Klingenstein, den Cheftester der USK an: „Dass jemand, der nach eigenem Bekunden ein Fan der Computerspiele-Szene ist, selbst als Anwalt der Industrie auftrat, wenn es darum ging, Spiele vor der BPjM zu verteidigen, dass so jemand zum Cheftester und Ausbilder der übrigen Tester bestellt wird, das finde ich befremdlich. Wenn ich dann […] lesen muss, dass Herr Klingelstein das, was wir kritisch sagen oder was Rainer Fromm kritisch sagt, für ‚Schwachsinn’ hält, dann meine ich: Herr Klingelstein setzt sich nicht genügend mit den Folgen von Computerspielen auseinander. Weil er so involviert ist, weil das sein Hobby ist, sein Beruf. Daher ist er in meinen Augen eine zu problematische Person, um Teil der Organisation zu sein, die die Inhalte feststellt und sie dann ja an die Gutachter weitergibt.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Peschke 2006a, S.1.) USK-Leiterin Christine Schulz (seit 06.02.06) dementiert: „Denn wer ist es denn, der über die Freigabe entscheidet? Das sind die Gutachter und der ständige Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden. Die entscheiden mit einfacher Mehrheit in den Gremien. Kein Tester und kein USK-Mitarbeiter hat je eine Altersfreigabe entschieden. Liegt der Vorwurf der Tester darin, dass sie Spieler sind? Aber die müssen doch spielen können, um ihren Job zu erfüllen. Auch Herr Pfeiffers Tester können spielen. Natürlich ist die Industrie auch im Beirat vertreten, ja. Das sind zwei Personen von achtzehn. Die sitzen da mit Vertretern der deutschen Bischofskonferenz, von Jugendverbänden, der Kultusministerkonferenz, der Bundesprüfstelle und so weiter. Die geben insgesamt mit Mehrheit den Grundsätzen und der Prüfordnung sowie allen Änderungen in den Paragraphen ihren Stempel. Wie wir also industrienah arbeiten sollen, war mir ein Rätsel. […] Da kann ich nur sagen: Ich will niemals jemand anderen haben auf diesem Posten. Weil er auf seine Weise versteht, was die Industrie produziert. Und er war niemals, will ich jetzt gleich dazu sagen, im Auftrag der Industrie bei der Bundesprüfstelle. Er war im Auftrag der USK dort, um die BPjM beim Vorführen der Titel zu unterstützen, da die BPjM nicht vom Anbieter vorführen lassen möchte.“ (Christine Schulz, zitiert in: Peschke 2006b, S.1.)
Sie führt weiter aus: „Kein Tester und kein Gutachter der USK, die ja durch die Länder benannt werden, darf in der Hard- oder Softwareindustrie beschäftigt sein. Aber zu sagen, dass sich niemand auf eine Stelle hier bewerben darf, der aus der Industrie kommt? Natürlich muss man die Leute genau unter die Lupe nehmen, aber es kann doch kein Ausschlusskriterium sein, wenn man sich mit der Materie auskennt. So redet man aber nun mal, wenn man in den Bahnen von ‚Hassindustrie’ und ‚perverse Gamesindustrie’ denkt. […] Deswegen noch mal zur Industrienähe: Dass hier niemand sitzt, der tatsächlich meint, dass man bei einem Spiel Täter ist und Menschen ermorden muss, ja, das ist unsere Absicht. Wer hier selbst in seiner Betrachtung schon Spiel und Realität nicht auseinander halten kann, sollte über das Medium auch nicht urteilen.“ (Christine Schulz, zitiert in: a.a.O., S.2.)

Folgerichtig verkündete die USK noch in ihrer Pressemitteilung vom 22.09.2006:
„Wir sehen in den Äußerungen der Herrn Prof. Pfeiffer und Herrn Innenminister Schünemann mehr als nur eine Herabwürdigung dieses zu großen Teilen ehrenamtlichen Engagements. Die Wirkung solcher auf öffentliche Aufmerksamkeit statt Sachlichkeit zielenden Politik geht aber noch weiter: Sie bewirkt die Schwächung dessen, wofür sie vorgibt einzutreten: den Jugendschutz. Denn wieso sollten Handel, Eltern und Pädagogen einem System vertrauen und es unterstützen, das in der Öffentlichkeit als ungenügend gebrandmarkt wird? Wir hoffen, noch immer, dass die Diskussion wieder auf eine sachliche Grundlage zurück findet und sich auf die klaren rechtlichen Regelungen bezieht, anstatt vermeintliche Erkenntnisse aus Forschungsvorhaben zu ziehen, die noch nicht einmal richtig begonnen wurden.“

Dem ist zuzustimmen. Tatsächlich ist die Frage nach der Motivation C. Pfeiffers angebracht, da eine ohnehin angedachte – offiziell von Bund und Ländern beauftrage – Evaluierung des Jugendmedienschutzes (u.a. inkl. dessen Umsetzung durch die USK) durch das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung der Universität Hamburg bereits im Oktober 2006 anlief, entgültige Ergebnisse sind bis September 2007 angedacht. Die Evaluierung durch das KfN ist also unnötig. Neben moralisch/ethischen Gründen ist das wahrscheinliche Motiv C. Pfeiffers auch der Zugang zu Forschungsgeldern, wie erstmalig Thomas Jarzombek (CDU) öffentlich spekulierte (ein Indiz dafür lieferte z.B. U. Schünemann mit seiner Forderung, explizit Kriminologen in die Personalstruktur der USK zu integrieren. Dies ist als Unterstützung C. Pfeiffers in seiner Funktion als Kriminologe zu verstehen). D.h.: Er „möchte die USK abschaffen. Oder, sagen manche, ihren Job übernehmen – und die dafür vorgesehenen Gelder gleich mit [gemeint sind hier die öffentlichen Gelder an die USK]. Die Hersteller bezahlen dafür, wenn ein Spiel durch die USK geprüft wird. Jährlich werden dort so mehrere Millionen Euro umgesetzt.“ (Stöcker 2006d).
USK-Geschäftsführer Klaus Spieler griff diesen Ansatz zustimmend auf und wies zusätzlich die Ambitionen C. Pfeiffers, sowie M. Spitzers, als reaktionär zurück: „Ihm und Spitzer gehe es in Wahrheit aber nicht nur um Spiele: Sie verabscheuten die USK für ihre Schulungsprogramme für Pädagogen. Hunderttausende Kindergärtnerinnen würden von der Einrichtung im Umgang mit Computern und der Vermittlung von Medienkompetenz unterrichtet. Pfeiffer und Spitzer sei das zuwider, sagte Spieler. Sie wollten alle Bildschirme aus Kindergärten und Schulen verbannen.“ (a.a.O.) Tatsächlich wären pauschale Herstellungs- und Verbotsforderungen kontraproduktiv für die mögliche einleitende Motivlage C. Pfeiffers, was erklären könnte, weshalb er gegen Verbote plädiert und den Landesinnenministern stattdessen alternative Vorschläge machte.

Welche Vorschläge genau, ist unbekannt. Denkbar sind jedoch Reformierungsvorschläge für die USK, u.a. hinsichtlich ihrer Prüfkriterien. Darüber hinaus sind (an M. Spitzer angelehnte) Forderungen denkbar, welche er zuvor äußerte: Die Schaffung von Ganztagsschulen und die Abschaffung des Zugriffs auf Bildschirmmedien durch Heranwachsende. Als (implizite) Alternative führt er aus: „Ich war in einer Schule in Süddeutschland, dort spielen viele Schüler in einer Blaskapelle. Gleichzeitig haben viel weniger Schüler einen Computer im Zimmer.“ (Christian Pfeiffer, zitiert in: Schmaler/Wiedersheim 2006)

Lange Rede, kurzer Sinn: C. Pfeiffer hat ist kein Experte, nicht mal ein Laie. Er hat schlichtweg keine Ahnung von der Materie… Um das zu verdeutlichen hätte schon eine kommentarlose Rezitierung seines grandiosen Zitates zu World of Warcraft (WoW) in einer wohlbekannten Hart aber Fair Ausstrahlung gereicht, in der er unwidersprochen WoW als ein Spiel definiert, in dem moderne Armeen mit High-Tech-Equipment gegeneinander Krieg führen.

Quellen:

– Krell, Peter C. (2005): Interview mit Prof. Dr. Pfeiffer (KFN). Online im Internet: , zugegriffen am: 21.02.2007.

– Schmaler, Dirk / Wiedersheim, Volker (2006): Mord ist Sport. Online im Internet: , zugegriffen am: 21.02.2007.

– Peschke, Andre (2006a): Nach Emsdetten. Prof. Pfeiffer im Interview. Online im Internet: , zugegriffen am: 21.02.2007.

– Peschke, Andre (2006b): USK in der Kritik. Online im Internet: , zugegriffen am: 21.02.2007.

– Güßgen, Florian (2006b): Verbotsdebatte. Machen Killerspiele „dick, dumm und hässlich“? Online im Internet: , zugegriffen am: 21.02.2007.

– Gottberg, Joachim von (2001a): Eigentlich lehnen die Zuschauer Gewaltdarstellungen ab – Katholische Sozialethik und der Blick auf populäre Medien. In: tv diskurs, H. 17 / 2001, S.42–49.

– Stöcker, Christian (2006d): Verbots-Debatte: Breitseite gegen Killerspiel-Jäger Pfeiffer. Online im Internet: , zugegriffen am: 21.02.2007.

Statement: Todesstrafe für Saddam Hussein

 

Saddam Hussein wurde zum Tod durch den Strang verurteilt…

Prinzipiell befürworte ich die Todesstrafe (ohne hier auf das Pro und Contra eingehen zu wollen, da dies definitiv den angemessenen Rahmen dieses Statements sprengen würde und erfahrungsgemäß nur eine geringe Aussicht auf eine Annäherung der beiden Extrema im pluralen Diskurs besteht), im speziellen Fall S.Husseins stehe ich der Todesstrafe jedoch kritisch bis ablehnend gegenüber (und spreche mich nicht gänzlich von unten attestierten Effekten frei):

 

Zum einen war S.Hussein „legitimer“ Souverän des Iraks (ohne hier Fragen nach Machterlangung und –erhalt beantworten zu wollen) und meine partiell hobbesche Perspektive kritisiert die Art und Weise seines Souveränitätsverlust, inkl. der entsprechenden Konsequenzen für ihn (wobei mein ebenso vorhandenes demokratisches Verständnis die genauen Umstände teils befürwortet, da simplifiziert gesagt eklatante Missstände durch die Bevölkerung – und eingeschränkt auch Aussenstehende – nicht folgenlos hinzunehmen sind),

 

Zum anderen machte S.Hussein in Gefangenschaft einen wortwörtlich mitleidserregenden Eindruck, eine Exekution ist hier definitiv kontraproduktiv, zumindest für diejenigen, welche nie direkt von ihm negativ tangiert wurden und daher ein eher distanziertes, nur durch die Medienwirklichkeit vermitteltes Verhältnis zu ihm haben. Durch Film und Fernsehen wurde ein nahezu sympathisches Stellvertreterbild von ihm geschaffen, dass durchaus mit seiner realen Inkarnation (die ebenso vermittelt wurde) konkurrieren mag, doch durch die Distanz relativiert sich so oder so wohl die allgemeine Position zu ihm. Man sieht ein Medienprodukt und je nachdem, wie die Rezeptionspräferenzen lagen, fallen die tatsächlichen Sympathien aus, wobei die mitleidige Präsentation der Gefangenschaft des S.Hussein zu einer erweiterten Tendenz hin zu einer für ihn sympathiegünstigen Verzerrung führen könnte: Einer positiven Erinnerung an ihn, bzw. einer post mortalen Vermarktung als quasi „Märtyrer“ kommt dies nur gelegen (wobei natürlich auch bei lebenslanger Haftstrafe ein Symbolcharakter nicht ausbleibt). Die unvollständig wirkende, allenfalls sporadische Medienpräsenz des Prozesses selbst (zumindest in den deutschen, respektive den westlichen Medien) komplettiert diese Überlegung nur noch.

 

Insgesamt wirkt die Strafe auch unangemessen im Sinne eines Tatenausgleiches, da der Exitus hier eine entgültige Verantwortungs- und Rechenschaftsentziehung, eine vorschnelle Beendigung des Themas darstellt und somit auch nicht ansatzweise ein gesellschaftlicher Ausgleich für S.Husseins Taten erfolgt (sofern überhaupt möglich), geschweige denn eine allgemeine Aufarbeitung. Ob das Todesurteil hier als symbolisch eindrucksvolles Ende der Ära S.Husseins tatsächlich dienlich sein kann, bleibt zweifelhaft, insbesondere angesichts der nach wie vor bestenfalls desolaten Situation im Irak…

ZDF-Hetzpropganda vs. „Killerspiele“

Am vergangenen Freitag sendete das ZDF im Format aspekte den Beitrag „Wie Kinder Spaß am Morden finden“, welcher unmittelbar in der Tradition gewisser Frontal21-Pamphlete stand und nach gewohntem Muster mit Pseudoargumenten operierte, die ich im Folgenden kurz (und polemisch, da mir mittlerweile die Muse abhanden geht, hierauf differenziert zu antworten) betrachten werde:

Schon vor Beginn des eigentlichen Beitrages wird ordentlich Stimmung gemacht, Daddeln als Phänomen des neuen deutschen Feindbildes (der von der Politik so vergeblich dementierten) Unterschicht dargestellt (wobei doch aktuelle Studien dazu was völlig anderes aussagen und den Durchschnittspieler völlig unterschiedlich von diesem Vorwurf ansiedeln), ein wunderbarer Vorwurf um weiter mit implizierten Negativkonnotationen zu operieren, die hier nun entstehen mögen.
 

Es fängt schon im ersten eigentlichen Beitragssatz an, bereits hier ist man unsäglich tendenziell und populistisch: „Wie Kinder Spaß am Morden finden“ lautet der Titel und einleitende Satz des Beitrages und „Bei sadistischen Computerspielen versagt der Jugendschutz“ stellt den offiziellen Untertitel dar, der direkt die Richtung klar macht. Aber was ist sadistisch (oder später: exzessiv oder ganz im Allgemeinen brutal, gewaltverherrlichend, grausam, abartig, pervers)? Antwort: Nichts und alles, es ist absolut subjektiv. Ist hier nicht nur wieder der sog. pornographische Blick tätig, den Florian Rötzer (Telepolis) diesen inquisitorischen Gewaltgegnern einst so treffend attestiert hat (und den auch die dahingehende Forschung stichhaltig beweisen konnte, da diese Personen meist ihre eigenen Ängste und Befürchtungen, ihre eigenen Interpretationen und ihre Unkenntnis bspw. in einem gewissen Genre zum non plus ultra erheben und auf alle anderen Mitmenschen projizieren), dass Verlaufen auf der Landkarte der Genre-Ikonographie? Eben weil man nicht rezipiert, wie ein großteil der Menschheit in einer vermeintlich liberalen, egalitären und aufgeklärten Gesellschaft, sondern wie der Agitator mit erhobenem Zeigefinger, der man nachweisbar auch ist, der  nur sieht, was er sehen will und nicht das, was andere sehen können, der einfach nicht reflektieren kann, um es klar heraus zu sagen. 
Meinungsmache über Meinungsmache folgt in diesem Beitrag: „Bewaffnet mit Motorsägen, Baseballschlägern, Schaufeln und Pistolen gegen Passanten, Rentner und Polizisten kämpfen – und das alles bei cooler Musik und mit schönen Frauen zusätzlich. Das ist das Erfolgsrezept des Computerspiels ‚GTA San Andreas'“… Hier wird der Kontext verzerrt, eine Möglichkeit zum Spielziel erklärt, unumstößlich zum Fakt erhoben um ein unwissendes Publikum für spätere Verbotsforderungen zu sensibilisieren. Ganz zu schweigen davon, dass hier Szenen der ungeschnittenen Importfassung gezeigt wurden und man bewußt verschwieg, dass die deutsche Version gar übelst der Zensurschere zum Opfer fiel (denn die Erwähnung der Zensur hätte ja durchaus das potential, dass in diesem Beitrag das als zu lasch kritisierte Jugendmedienschutzsystemd er BRD als in Wahrheit viel zu strang zu entlarven).Und ja, es ist skandalös, Meinungsäußerungen wie die von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) z.B., die durch Nicht- und Falschkenntnis und Engstirnigkeit par excellence glänzen, da wird dann z.B. schon mal eine Altersklassifikation als „Gütesiegel“ deklariert, aber nach dieser Logik müßte doch ein Totalverbot das non plus ultra der Güteversicherung darstellen und sollte tunlichst zu vermeiden sein (wobei angemerkt sei, dass sich bspw. USK und BPjM und der Gesetzgeber durchaus vollkommen bewußt sind, dass höhere Altersklassfikationen oder gar das ausbleiben einer solchen Klassifikation und die Indizierung ein hohes Werbepotential haben, Verbote reizen einfach und sind hier shclichtweg kontraproduktiv). Aber nein, Hinterfragen ist nicht gefragt…
Und wieso wird hier behauptet, es sei „völlig klar, dass da etwas schief läuft“, wenn GTA:SA die Altersklassifikation „Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG“ erhält?
Klar ist das nur für denjenigen, der entweder keine Ahnung von der Materie hat (sprich: z.B. den Erkenntnissen der Wirkungsforschung) oder seine subjektive Meinung über passende Altersfreigaben zur Allgemeinwahrheit erhebt,  wobei in diesem Fall höchstwahrscheinlich beides der Fall ist.
Ja und „In anderen Spielen, die im Handel frei erhältlich sind, heißt es: ‚Bereite dich auf unsagbare Schmerzen vor‘, ‚verwende stachelumwickelte Baseballschläger‘, ‚Was weißt Du über Dich, wenn Du Dich noch nie geprügelt hast‘. Ein anderer Spielhersteller wirbt auf der Verpackung mit ‚Schockierende Röntgen-Aufnahmen bei Knochenbrüchen‘ und ‚extrem realistische Kampfverletzungen‘. Trotz derlei virtuellen Gewaltexzessen können auch solche Spiele in deutschen Kaufhäusern vermarktet werden.“ Anm.: Dabei handelt es sich übrigens um das in ZDF-Formaten oft Erwähnte – aber irgendwie nur unglaublich schwer aufzutreibende, weil einfach miserable – Backyard Wrestling und um Fight Club. Jaaa skandalös… skandalös ist es, hier aus dem Kontext gerissene Werbetexte von Spielepackungen zu nehmen und anhand dessen von Gewaltexzessen zu reden und deren Vermarktung anzuprangern. Auch skandalös, weil der Satz „Was weißt Du über Dich, wenn Du Dich noch nie geprügelt hast“ ein astreines Fight Club Zitat ist, das auch als solches auf der Packung des dazugehörigen Spieles deutlich gemacht wird…Es ist von einer „Flut von Gewaltspielen“ die Rede, wer sich aber mal die entsprechenden Zahlen anguckt, wie gering der Anteil an Spielen ist, die Jugendlichen regulär nach deutschem Recht nicht in die Hände fallen sollten (ca. 4-5 %, wobei indizierte oder beschlagnahmte Titel gar in den Promillebereich fallen), sieht diese Aussage klar widerlegt, aber halt: Gerade diese ach so lasche Altersklassifikationshandhabe der USK wird ja angeprangert…„‚Da sind die Innenminister gefordert, nach vorne zu gehen. Wir haben uns geeinigt, wir wollen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen Nachweise führen, dass die USK hier falsch gehandelt hat, und dann aber gleich den Auftrag erteilen, ‚was sind Killerspiele?‘ – dann wollen wir Formulierungen haben für ein Herstellungsverbot und ein Verbreitungsverbot.‘
Glücklicherweise wurde diesem unterfangen unlängst ein gewaltiger Riegel vorgeschoben wurde (wie hier im BLog zu lesen war), trotzdem wird hier weiter rumgequakt, der Profilierung zu Gunsten. Mal abgesehen davon freue ich mich auf die Definition eines „Killerspiels“ (ein unerträglich pejorativer Begriff`), freue mich auf eine abzuhakende Liste mit genau festgeschriebener Blutmenge, abgetrennten Körperteilen, Blauen Flecken, der Anzahl und Art von Schimpfwörtern usw. usf. Wozu noch darauf achten, wie vermeintliche Gewaltdarstellungen in einen Kontext eingebettet wurden, immerhin kann man ja die Mutmaßung vorhalten, dass 2 abgetrennte Körperteile immer schlimmer seien als nur eines und 2 Liter Blut schlimmer als ein halber, gell…
Und wenn diese ganzen ignoranten CDUler (erstaunlich, alles übel kommt von da und den Kameraden, die ihr D durch ein S ersetzt haben) von einem „Wertezerfall“ spricht, dann verkneif ich mir jetzt einfach mal einen kritischen Blick auf gewünschte Werte eben jener Herren (man Denke sich nur das scheppernde Glashaus), was ja auch ein anderes Thema darstellen würde, genauso wie vermeintlicher (wohl nur schwerlich nachweisbarer) Wertezerfall und Daddeln 2 völlig differenzierte Themenkomplexe sind, aber für manch einen scheint es da ja einen Zusammenhang zu geben.

„Holger Hövelmann (SPD) aus Sachsen Anhalt kritisiert: ‚Es ist schon erschreckend, dass die Selbstkontrollmechanismen in diesem Umfang, wie wir uns das alle wünschen, nicht funktionieren.‘
Ja was verlagen diese Menschen eigentlich? Eine Quote? Von XX geprüften Spielen müssen X „Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG“ bekommen oder besser überhaupt kein Prüfsiegel oder noch besser direkt indiziert werden (mit nachfolgender Beschlagnahmung)? Eine Pauschalforderung nach mehr Verboten? Mein Gott… was für Trottel… ja, dass muss hier auch mal so gesagt werden, klar heraus: Trottel. Es geht halt nicht immer sachlich, wenn man sich ob der Inkompetenz von offensichtlichen Entscheidungsträgern aufregen muss.

„Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann spricht sich für eine Umstrukturierung des Jugendschutzes aus. Schünemann: ‚Das gehört auf jeden Fall in staatliche Hände, das muss von den Jugendministern in Zukunft anders organisiert werden, die USK kann das in Zukunft sicherlich nicht machen.'“ Wie kann eigentlich die Meinung eines Menschen, der sich so offensichtlich durch eklatante Nichtkenntnis dessen, über das er berichtet, Beachtung finden? Die USK ist de facto unter staatlicher Kontrolle und kein unabhängiger Verein, der agiert wie er lustig ist (sondern darüber hinaus ist er an das JuSchG gebunden). Man sollte sich mal genauer mit den Strukturen, eEchanismen, Phänomenen whatever auseinandersetzen, die man anfängt zu kritisieren, sobald R. Fromm samt Team einen mit der Kamera anfunzelt und damit zu einer möglichst populistischen Stellungnahme nötigt. Schnell sind da dann Pauschalantworten fertig, die Handlungen versprechen, so kann man sich immer am besten profilieren… 

Und jaaa, der Herr Pfeiffer ist mal wieder mit von der Partie, ein Inquisitor der Neuzeit durch und durch, der einen echt an der Qualität akademischer Grade zweifeln läßt. Diesmal hat man sich wohl Spitzer und Lukesch ausgespart (Glogauer ist wahrscheinlich schon abgenippelt). Über den Mann muss man eigentlich nicht mehr viel sagen, er hat halt keine Ahnung von dem, was er macht, hatte er nie und wird er nie haben. Er ist unseriös, wirft mit Korrelationen um sich, deren Korrelationsfaktor gleich null ist, aber das muss man ja nicht erwähnen, geschweige denn darauf aufmerksam machen, dass somit auch der Aussagegehalt zu deisen Zusammenhängen gleich null ist… könnte auch an den unpassenden Variablen und den mehr als ungenügenden Experimentdesigns liegen. Wahrscheinlicher ist aber, dass seine „Forschungsergebnisse“ deshalb unbrauchbar sind, weil heir nicht wissenschaftlich vorgegangen wird und Pfeiffers subjektiver Dummfug bereits im Vorfeld als Forschungsergebnis feststeht. Interessant übrigens: Die besagten Frontal21-Berichte basierten u.a. auf Hetzen von herrn PFeiffer und Kollegen, diese Beiträge führten zu massiven Reaktionen gewisser CDU/CSU-Agitatoren, die Konsequenzen fordern und sich dazu (also zur Untermauerung ihres Vorhabens mit Pseudoargumenten) wieder an Herrn Pfeiffer wenden… bizarr… Das die werten Herren hier natürlich die Argumentationsgrundlagen geliefert bekommen, die sie wollen, ist klar, nur hält diese vermeintlich wissenschaftlich fundierte Argumentation dann keine 2 Minuten im Kreuzfeuer seriöser Wissenschaftler aus.In Sachen Inkompetenz kaum zu überbieten sind Aussagen wie diese: „Projektleiter Prof. Dr. Christian Pfeiffer sieht in zahlreichen Spielen ‚das Prinzip der Menschenwürde nach Artikel 1 Grundgesetz verletzt.‘
Kann mir das mal jemand erklären? Ist die Menschenwürde der Spieler verletzt? Nein, diese Interpretation wäre abwegig (also für Pfeiffer denkbar), mal abgesehen davon, dass niemand spielen muss. Was bleibt dann? Nein.. das kann nicht sein… Pfeiffer meint doch nicht wirklich… wirklich… das Videospielfiguren eine Menschenwürde hätten? OMFG…
Und was sollen uns solche Textpassagen sagen?
„Bereits die ersten Untersuchungsbefunde dokumentieren eine problematische Beurteilungspraxis der USK. Pfeiffer: ‚Bereits das Spielen der ersten zwanzig Spiele, die wir überprüft haben, weckt bei uns massive Zweifel, ob das System funktioniert. Bei einigen Spielen würden wir sagen ‚für den Markt überhaupt nicht geeignet‘, bei anderen würden wir höhere Alterseinstufungen empfehlen.'“
Ja und? Ich würde niedrigere Alterseinstufungen für fast alle Spiele empfehlen… so what? Was will Pfeiffer damit vermitteln, dass er das objektiver beurteilen könnte, welche Klassifikation geeigneter wäre? Kann er eben nicht, ersten ist er dazu zu inkompetent, zweitens gibt es keien Belege aus der Wirkungsforschung, die ein Altersklassifikationssystem überhaupt stützen köntnen und drittens ist es eine bewiesenermaßen absolut subjektive, individuelle und von unendlich vielen Faktoren abhängige Sache, wie welcher Inhalt auf wen wirkt etc. Natürlich funktioniert das System so nicht, wie es ist, es ist zu streng!
Und jetzt kommen wir zu einem meiner Libelingspseudoargumentationspunkte bei diesem Thema, der subjektiv verzerrten, schriftlichen Darstellung eines Inhaltes in möglichst malerischen Worten, um wieder das unwissende publikum für Verbote zu sensibilisieren: „Prof. Dr. Christian Pfeiffer weiter: ‚Wir sehen zum Beispiel in einem Spiel, dass der Spieler in die Rolle kommt, einer Frau von hinten das Messer durch den Hals zu ziehen, dann bricht sie zusammen, und eine Blutlache breitet sich aus oder eine Frau mit einer Schaufel zu erschlagen, wüstes Geschrei, und dann liegt sie in ihrem Blut … und dann sieht man Tote, und das Blut breitet sich aus.‘
Mit diesen Worten könnte man auch eine x-beliebige Tatort-Folge oder Pablo Picassos Guernica beschreiben. Es sagt absolut NICHTS über den beschriebenen Inhalt aus, nur über den Beschreibenden, sprich: Wir erleben hier einen seeehr tiefen Blick in die Wirren Gedanken des Herrn Pfeiffer…

Und es war ja klar, dass mal wieder Rainer Fromm seine Hände im Spiel hat, die Personifizierung unseriösen, tendenziellen „Journalismus“ (wenn man diese medialen Pamphlete noch so nennen kann, was ich ganz klar bestreite), Verteidiger des den Deutschen liebsten Wortes: VERBOT! 
Aber wie sollte es auch anders sein, hat bei ihm ja schliesslich Tradition. Und es zeigt mal wieder, daß man mit (bewußtem) Unwissen, Meinungsmache und blanker Hetze Geld machen kann… trauriges Land… und das ganze ist nebenbei noch ein Argument mehr gegen die GEZ.

Hach.. ich hasse diese Land…
Link:

„Wie Kinder Spaß am Morden finden“ (youtube)

Bauernfängerei bei freecity.de

Heute erhielt ich folgende E-Mail von freecity.de: 

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Sehr geehrte(r) <Domaininhaber>, leider müssen wir das Vetragsverhältnis für die Verwaltung Ihre Domain „<domainname>.de“, welche bei der FreeCity GmbH Ihrem Usernamen „<username>“ zugeordnet ist, zum 30. Oktober 2006 kündigen. In diesem Zusammenhang wird auf §2 d der allgemeinen Geschäftsbedingungen in Verbindung mit der Leistungsbeschreibung unter http://premium.freecity.de/pakete/paket_s.phtml hingewiesen.Die FreeCity GmbH wird damit die Verwaltung Ihrer Domain „<domainname>.de“ endgültig zu diesem Datum einstellen und an die Vergabestelle DENIC e.G. zurückgeben. Sollten Sie bis dahin Ihre Domain weder gelöscht noch zu einem anderen Provider transferiert haben, so befindet sich diese ab diesem Zeitpunkt im sogenannten Transit-Verfahren (siehe http://transit.denic.de/).Hintergrund der Kündigung ist, dass die Wirtschaftlichkeit des werbefinanzierten Domaindienstes nach nun 6 Jahren nicht mehr gewährleistet ist. Durch die Umstände wie Missbrauch und sinkende Werbeeinnahmen durch PopUp-Blocker und Manipulationen können wir den derzeit angebotenen Dienst nicht mehr weiter aufrecht erhalten. Wir bitten um Ihr Verständnis für diese sehr einschneidende Massnahme.

Es steht Ihnen natürlich frei, die Domain vor der Rückgabe an die DENIC e.G. an einen anderen Provider zu übertragen.

[…] [Anm.: Hier wurde ich mit überflüssiger Werbung Seitens freecity.de überhäuft]

– Wechseln Sie zu einem anderen Provider:
Um Ihre Domain von einem neuen Anbieter verwalten zu lassen, können Sie diese per KK-Antrag dorthin übertragen.
Weitere Informationen und Formulare zum Ablauf erhalten Sie unter: http://faq.freecity.de/support/faq_showfaq.phtml?id=86&katname=Kündigung&menuset=domains– Löschen Sie Ihre Domain:
Falls Sie Ihre Domain nicht mehr benötigen, können Sie diese auch löschen lassen. Dies sollten Sie tun, bevor wir diese an die DENIC e.G. zurück geben.
Weitere Informationen zur Vorgehensweise und notwendige Formulare erhalten Sie unter: http://faq.freecity.de/support/faq_showfaq.phtml?id=85&katname=Kündigung&menuset=domains

Mit freundlichen Grüßen,
FreeCity-Team

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Nun könnte ich mich hier über vieles auslassen, z.B. die unnötige Werbung, die ich meinen Lesern hier erspart habe oder noch besser etwas über die abrupte Kündigung überhaupt (die laut eigener AGB eigentlich auch an eine gewisse Frist und schriftliche Information gebunden ist, ganz zu schweigen davon, dass diese Informationsmail bereits vor geraumer Zeit andere Kunden erreichte und erst sehr verspätet an viele andere weitere Kunden verschickt wurde usw. usf.), doch das spare ich mir einfach, da ich persönlich meine .de-Domain nie wirklich genutzt habe. Tatsächlich hätte ich sie schon längst gelöscht, würde freecity.de nicht eine Gebühr von ca. 20 € für die Löschung verlangen (fürall jene, welche ihre Domain vor rund einer halben Dekade registrieren ließen, so wie ich). Und genau das ist der Knackpunkt dieses Blogeintrages…

Genauer gesagt stößt jener Satz auf:

„Löschen Sie Ihre Domain: Falls Sie Ihre Domain nicht mehr benötigen, können Sie diese auch löschen lassen. Dies sollten Sie tun, bevor wir diese an die DENIC e.G. zurück geben.“

Warum sollte man dies tun? Wie erwähnt ist eine Vertragskündigung inkl. Domainlöschung von Seiten des Kunden freecity.de gegenüber kostenpflichtig, anders jedoch bei denic.de, denn hier ist im sog. Transit-Verfahren die Löschung der Domain kostenlos, zudem entstehen die ca. 20 € kosten dem Kunden nicht, sollte die Kündigung – wie in diesem Fall nun geschehen – von freecity.de ausgehen. Im Klatext: Am 30. Oktober wird die Kündigung seitens freecity.de für den Kunden kostenfrei gültig, worauf die Domainverwaltung an denic.de ergeht und dort im sog. Transit-Verfahren verbleibt. Dort kann man nun wiederum kostenlos (binnen einer gewissen Frist) die Domain komplett löschen lassen, womit sich das ganze Thema ein für alle Mal erledigt hat (so jedenfalls das generelle Verständnis, siehe die Forumeinträge hier) und zwar durch und durch kostenlos (Zeit und Nerven außer Acht gelassen) Also? Warum oben zitierter Satz, welcher eine absolute Dringlichkeit erscheinen lässt?

Nun, die Antwort sollte einleuchtend sein: freecity.de will offensichtlich auf die Schnelle noch Profit aus zukünftigen Ex-Kunden schlagen (die man ja aufgrund dieses Umstandes des baldigen Ex-Kunden-Seins vor den Kopf stoßen kann), die schnelle Nummer mit dem verunsicherten Kunden, die vielleicht auch noch zur kostenpflichtigen Hotline greifen (1,29 €/Min.). Ein mehr als schlechter Zug, der Bände über die Seriosität dieses Unternehmens spricht…

Ich jedenfalls werde nun den Termin erstreichen lassen, auf Post von denic.de warten und meine ungenutzte Domain über den Jordan schicken :-). oder habe ich was übersehen? Ist besagter Satz doch nur eine wohl gemeinte Warnung? Ich glaube kaum… 

Der ganz normale Irrsinn: Von Idomeneo und Hakenkreuz-Verboten

Heute trifft es in diesem Blog topaktuelle Themen und ich schrecke nicht zurück, äußerst polemisch vorzugehen:

Die Selbstzensur der Deutschen Oper bzgl. der Absetzung des Idomeneo (nachzulesen hier und hier) und den heutigen Beginn des kuriosen Prozesses rund um ein wohl angestrebtes Verbot von Antifa-Symbolen (durch den Versuch zur Deklarierung als verfassungsfeindliche Symbole) vor dem Stuttgarter Landgericht (hier nachzulesen). Nun möchte ich hier jedoch nicht großartig differenziert die beiden Fälle analysieren und diskutieren, sondern einfach mal vermelden, was mir so spontan durch den Kopf ging. 

Beginnen will ich mit ersterem Thema, dabei äußere ich mich jedoch nicht zum eigentlichen Unsinn des selbstzensorischen vorauseilenden Gehorsams der Oper, vielmehr finde ich  die Äußerungen diverser Politiker interessant. Hier wird vehement die Selbstzensur verurteilt und zwar per se, nicht nur im Kontext der Opersekapade. Selbstzensur wird folgerichtig als ein absolut unadäquates Mittel zur Problembewältigung verstanden, nicht als Problemlösung, sondern neuerliches Problem. Was ich dabei so interessant finde ist das Maß, mit dem hier gemessen wird, denn die Verurteilung kommt genau von jenen, die sich sosnt immer glänzend mit Verbotsforderungen und dem aktiven Treiben in die Selbstzensur profiliert haben. Jaaa ich bin Zocker, ich Spiele damit darauf an, dass hierzulande die Unterhaltungssoftwareindustrie (aber z.B. auch die Filmindustrie) aktiv in die Selbstzensur getrieben wird. Aber: Wenn man jetzt die Selbstzensur endlich als das begreift, was sie ist, ein Problem, warum wird sie dann nicht auch für diesen Bereich als Problem wahrgenommen….

Kommen wir zum zweiten Thema: Nun, hier mach ich es mal ganz kurz und schildere nur kurz meinen Gedankengang dazu, was hinter dem ganzen Prozess stecken mag. Ich verzichte also darauf dazulegen, dass ich das Verbot sog. verfassungsfeindlicher Symbole prinzipiell als Teil des eigentlichen Problems sehe (tatsächlich plane ich dazu in zukunft einen umfangreicheren Blogeintrag), dass mit eben jenem Verbot eigentlich behoben werden soll (sprich: Es ist contraproduktiv und schafft das, was es verhindern soll), so wie ich mich prinzipiell gegen Verbote ausspreche. Vielmehr will ich in den Vordergrund stellen, welches Signal die verantwortliche Staatsanwaltschaft hier setzt. Das ohnehin schon absurde Verbot verfassungsfeindlicher Symbole wird hier noch intensiver ad absurdum geführt, als es eigentlich möglich sein sollte. Ein Schelm, wer den agierenden Köpfen der Staatsanwaltschaft hier böses unterstellt… mir jedenfalls ging direkt durch den Kopf, dass man sich hier in der Staatsanwaltschaft vielleicht persönlich durch die Antifa-Symbole verletzt sah und deshalb durch ein Hintertürchen dagegen agieren will, was interessante Rückschlüsse auf die politische Gesinnung der Ankläger offenbart. Damit will ich nichts unterstellen, nur bin ich offensichtlich nicht der einzige, dem so ein Zusammenhang als erstes ins Auge springt, man sollte sich also vorher besser überlegen, welches Bild man nach außen vermittelt (wobei man sich nur über Sinn und Unsinn solch einer Anklage gedanken machen müßte, um sie schon im Vorfeld fallen zu lassen).

Tja, Deutschland du stinkst. Was soll man auch mehr sagen…

UPDATE:

Am heutigen Freitag wurde ein Urteil im Antifa-Symbolstreit gefällt (hier ist genaueres nachzulesen) und um es kurz zu machen, der „rechtsblinde Autismus“ in Deutschland wütet mal wieder, der Angeklagte wurde zu 3600 € Geldstrafe verurteilt und plant nun, sich an die nächsthöhere Instanz zu wenden. Doch irgendwie sehe ich schwarz, denn mit solchen Urteilen rühmt man sich als judikative Instanz der BRD nicht gerade der Rationalität und schwächt das ohnehin angeknackste Verhältnis denkender Menschen zum vermeintlichen Rechtsstaat. Die ganze Aktion, der Prozeß, ist ein Akt, der allerhöchstens nach hinten losgehen kann. Wenn ich mich der Irrationalität der Verbundenheit zu diesem meinem Heimatland herabbegeben würde, müßte ich mich wohl jetzt für Deutschland schämen, doch glücklicherweise ist mir dieses identifikationsbedürfnis fern, doch die mentalen Schmerzen ob dieser groben Dummheit plagen mich trotzdem. Deutschland, du stinkst! Noch immer… 

Zeit für eine Vendetta an amazon.de

Vor kurzem tätigte ich eine Vorbestellung für Folgende Version des Filmes V for Vendetta bei amazon.de: Klick mich! Heute kam das Paket an…

Ich bin maßlos enttäuscht:

Im Vorfeld witzelte ich noch darüber, dass bei dem Preis irgendein Haken sein muss, immerhin kosteten zum Zeitpunkt der Vorbestellung sowohl die 2-Disc S.E. des Filmes, als auch die Comicvorlage einzeln je ca. 25 €. Das mir nun beides zusammen für nur 25 € angeboten wurde (satte 50 % Einsparung), grenzte an ein Wunder. Naja… der Haken offenbarte sich mir heute, als ich die Paketlieferung in Empfang nahm. Ganz offenbar war am Format des Comics geschraubt wurden, auf dem ersten Blick war klar, dass die Comicbeilage nicht die großformatige gebundene/broschierte Hardcoveredition des Comics war. Ganz ehrlich, ich kann durchaus mit einem kleineren Format und Softcovereditionen leben (also der Taschenbuchausgabe), doch eines geht absolut nicht: Ein gekürzter Comic! Ich rede hier nicht von Zensurmaßnahmen o.ä., sondern davon, dass der Comic mitten in der Handlung abrupt endet! Die Höhe ist dann noch die Schlussbemerkung: „To be continued in the V for Vendetta graphical novel, aviable in a comic shop or book store near you.“ Eine Unverschämtheit! Hier werden erwartungsvolle Kunden schlichtweg hinters Licht geführt, denn mit keinem einzigen Wort war zu Zeiten der Vorbestellung angedeutet worden, dass der beigelegte Comic nur eine abgespeckte Version ist. Hier mache ich ganz massiv amazon.de einen Vorwurf, da dieses Angebot inkl. Comic ein Exklusivangebot dieser Seite war! So nicht! Außer mir hätte sicherlich noch der ein oder andere mehr auf den Kauf des Filmes zu diesem Preis verzichtet, denn einzig und alleine das vermeintlich verlockende Angebot Film und Comic zugleich zu diesem Preis zu bekommen, hat mich zum Kauf bewegt. Eigentlich wäre eine Entschuldigung und Entschädigung (in Form des kompletten Comics) an die Kunden, durch amazon.de, angemessen. Hier ergeht an das Angebot und vor allem auch an amazon.de ein ganz dickes Minus von mir. Da 0 Sterne nicht in der Wertung möglich sind (und ich mich nicht völlig enthalten will), gibt es von mir dafür nur einen Stern und eine klare Verneinung der Kaufempfehlung. Nichts gegen den Film (wenn er mir nicht gefallen würde, hätte ich ihn nicht gekauft), diese Wertung bezieht sich also einzig und alleine auf oben beschriebene Mißstände…

Diese „Rezension“ habe ich übrigens auch auf amazon.de zum entsprechenden Produkt verfasst (mit dem Unterschied, dass ich hier meine Tippfehler ausgebessert habe), mal schauen, wann sie dort erscheint. Jedenfalls Sinne ich jetzt auf eine Art Vendetta. Wie sagt man so schön? ich hab so ’nen Hals……… AAAAAAAAARGH!

Vom Papst im bundespolizeistaatlichen Bayern und dem Reichskonkordat

Anlässlich des momentanten Papstbesuches auf deutschem Territorium würden sich unzählige Kritikpunkte anführen lassen, an der Person des Joseph Ratzinger, der Position des Papstes, der Kriche generell oder schlichtweg der Religion per se. Jedem modernen, gebileten Menschen, der sein Gehirn zu mehr als nur reinen Dekozwecken nutzt, kann der Papstbesuch – dieses „Event“ – nur ein Dorn im Auge sein. Doch statt mich hier jetzt lang zu ergehen (das hebe ich mir zum Thema Religion für später auf), verweise ich auf eine andere Quelle… der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA) berichtete jüngst über folgendes Ereignis: Klick mich! 

Naja, dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen, außer: Wir sind Papst… ob wir wollen oder nicht. Willkommen in Deutschland! Dies ist bei weitem nicht der einzige Vorfall dieser Art, aber das Berichterstattungen über solche Begebenheiten (wie Kritik an christlicher Kirche und Religion im allgemeinen) quasi komplett aus dem Mainstream-Medien verbannt werden, spricht wahre Bände.  Link:

Reichskonkordat (wikipedia.de)